Vermeldungen Löbau vom 20.08.2016

Gottesdienste:
Löbau, Kath. Kirche, August-Bebel-Str. 6

Sonntag, 21.08. 10.00 Uhr Familiengottesdienst
Mittwoch, 24.08. 08.30 Uhr Hl. Messe
Samstag, 27.08. 17.30 Uhr Hl. Messe

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Herrnhut, Kath. Kirche, Oderwitzer Str. 2

Donnerstag, 25.08. 17.30 Uhr Hl. Messe
Sonntag, 28.08. 10.00 Uhr Festgottesdienst zum Kirchweihfest

 

Großschweidnitz, Ev. Kirche

Freitag, 26.08. 17.00 Uhr Hl. Messe

 

Kollekten:

Sonntag, 21.08. für unsere Gemeinde
Samstag/Sonntag, 27./28.08. für unsere Gemeinde

 

Veranstaltungen

Frühschoppen Sonntag, 21.08., nach dem Familiengottesdienst
Kirchenchor Mittwoch, 19.15 Uhr
Pfarrjugend Freitag, 19.15 Uhr
Kirchweihfest in Herrnhut Sonntag, 28.08.:  Nach der Hl. Messe findet ein Gemeindefest statt
(Mittagessen und Rückblick auf die Geschichte der kath. Gemeinde in
Herrnhut).  -siehe Aushang-

 

Vorschau

Kreativkreis Montag, 29.08., 14.00 Uhr
Gemeindehausteam Donnerstag, 01.09., 19.00 Uhr
Start der Firmvorbereitung Freitag, 02.09., 18.30 Uhr
Kindergottesdienst Sonntag, 04.09., 10.00 Uhr
Neueinweihung der Hl.-Geist-
Kirche Löbau Sonntag, 04.09., 14.00 Uhr

 

Hinweis

  • Einführung des neuen Bischofs: Samstag, 27.08., 10.00 Uhr Hofkirche Dresden
  • Gemeindefest am Sonntag, 11.09.: Es wird wieder um Kuchen und Salate gebeten!

Für unser Gemeindefest am 11.09. werden Helferinnen und Helfer gesucht. Wer mitmachen kann und will, bitte bei

Frau Gabriele Paulick melden. (Absprachen /Einteilung finden zum Treff des Gemeindehausteams 01.09. statt.)

  • Gemeindeausfahrt am 16. November: Besuch der Hofkirche und der Neuen Synagoge Dresden, jeweils mit Führungen, siehe Plakat à bitte in die ausliegende Liste eintragen

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Geistlicher Impuls für die Woche 34/2016

Simone_Weil_04_(cropped)Denken als spirituelle Kraft – Simone Weil und ihr Lebensweg

Gedanken begleiten uns von früh bis spät. Oft kommentieren wir innerlich, was um uns herum geschieht oder was uns gerade beschäftigt. Nicht selten belastet uns das ständige gedankliche Kreisen. Kein Wunder, wenn wir am Ende des Tages nur noch „abschalten“ wollen. Doch es gibt auch eine Art des Denkens, die sehr beglückend sein kann. Wir lernen heute eine Frau kennen, der das intensive Nachdenken nicht nur zum Lebenselixier wird, sondern die darin auch eine spirituelle Kraft entdeckt: Simone Weil – Jüdin, Philosophin, Christin. Eine Frau, die im kritischen Hinterfragen und Nachdenken eine spirituelle Kraft entdeckt.

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Simone Weil in jungen Jahren
Simone Weil in jungen Jahren

Simone Weil wird 1909 in Paris geboren und wächst in einem jüdischen Elternhaus auf, das viel Wert auf Bildung und humanistische Gesinnung legt, aber keinen Bezug mehr zum religiösen Judentum hat. Sie kommt frühzeitig mit der Vorstellung der menschlichen Begrenzung in Berührung. Die Eltern erziehen sie zu einer Agnostikerin, die Gottes Existenz weder glaubt, noch bestreitet. Die Gottesfrage muss offenbleiben, weil es dem Menschen einfach nicht möglich ist, Gott zu erkennen. Das Gefühl des eigenen Unvermögens verstärkt sich, als sich der drei Jahre jüngerer Bruder außerordentliche mathematisches Genie erweist. Simone Weil leidet an ihrem eigenen Ungenügen, mit der eine große Empfindsamkeit für alles Schwache und Ungerechte einhergeht. Damit beginnt auch die Tragik ihres Lebens, denn Simone Weil stellt ihre gesamte Existenz in diese Sensibilität hinein.

Zunächst studiert sie Philosophie und macht damit das wache Denken zu ihrem Beruf. Was sie bewegt, ist die Frage, wie sich die großen Ungerechtigkeiten der Zeit beseitigen lassen. Es liegt ihr dabei nicht so sehr daran, die Gedanken in große Theorien zu fassen. Simone Weil drängt es mehr, das Gedachte in der Praxis zu erproben. Denken und Leben bilden bei ihr eine untrennbare Einheit. Vor allem die Fabrikarbeiter, die sich für einen schäbigen Lohn versklaven lassen, haben es ihr angetan. So engagiert sie sich zunächst bei den Marxisten, erkennt aber bald, dass auch diese nur ihre Macht gegenüber den Schwächeren zu stärken versuchen. Gleiches widerfährt ihr bei den Gewerkschaften und im Spanischen Bürgerkrieg, an dem sie sich beteiligt. Auf diesen Hintergrund entwickelt Simone Weil eine Abneigung gegen alle Formen der Kollektivierung und misstraut jeder Art von Institution.

Schließlich schenkt sie sich selbst, um die Lage der Arbeiterschaft ein wenig zu verbessern. Sie gibt die Hälfte ihres Lehrergehalts an Bedürftige weg und hält kostenlos Kurse an den Arbeitervolkshochschulen. Um am eigenen Leib zu erfahren, wie es ist, zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft zu gehören, wagt sie sogar ein Experiment. Die Philosophin lässt sich für ein Jahr beurlauben. Sie verdingt sich als Hilfsarbeiterin und erlebt unmittelbar die unmenschlichen Bedingungen der industriellen Arbeit. Aufgrund ihrer schwachen Natur gerät sie jedoch schnell an ihre Grenzen. Hinzu kommen unerträgliche Kopfschmerzen, unter denen sie bis zu ihrem frühen Lebensende zu leiden hat.

In diese Zeit fällt auch ihr erster persönlicher Kontakt mit dem christlichen Glauben. Von der Fabrikarbeit völlig erschöpft, fährt sie zur Erholung nach Porto (Portugal) und wohnt einer Prozession zu Ehren der Schmerzensmutter bei. Sie schreibt darüber in ihrem Werk „Das Unglück und die Gottesliebe“: „Ich war seelisch und körperlich gewissermaßen wie zerstückelt. … In dieser Gemütsverfassung, und in einem körperlich elenden Zustand, betrat ich eines Abends jenes kleine portugiesische Dorf, das ach! auch recht elend war; allein, bei Vollmond, eben am Tage des Patronatsfestes. Es war am Ufer des Meeres. Die Frauen der Fischer zogen, mit Kerzen in den Händen, in einer Prozession um die Boote und sangen gewiss sehr altüberlieferte Gesänge, von einer herzzerreißenden Traurigkeit. Nichts kann davon eine rechte Vorstellung vermitteln. Niemals habe ich etwas so Ergreifendes gehört, außer dem Gesang der Wolgaschlepper. Dort hatte ich plötzlich die Gewissheit, dass das Christentum vorzüglich die Religion der Sklaven ist, und dass die Sklaven nicht anders können als ihm anhängen, und ich unter den übrigen.“

In der Erfahrung des eigenen Leidens erfährt Simone Weil nicht nur die Verbindung mit anderen Leidenden, es eröffnet ihr kurze Zeit später auch eine neue geistliche Dimension. Sie kommt auf intensive Weise in Berührung mit dem Schönen, das sie vor allem in der Kunst, aber auch in lieblichen Landschaften aufleuchten sieht.

Auf ihrer Italienreise besucht sie zunächst in Mailand das berühmte Abendmahl-Bild von Leonardo da Vinci. Im Anblick Jesu bemerkt sie, dass im Schönen etwas Übersinnliches verborgen ist. Sie hält diesen Eindruck in folgenden Worten fest: „Der Blick wird von überalldurch einen geheimen, nicht wahrgenommenen Einfluss auf das Antlitz Jesu gelenkt, der seiner Ruhe zusätzlich etwas Übernatürliches verleiht.“

 Eines der berühmtesten Bilder der Welt: Das Abendmahl von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, Ende des 15. Jh., Quelle: Wikimedia Commons

Eines der berühmtesten Bilder der Welt: Das Abendmahl von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, Ende des 15. Jh., Quelle: Wikimedia Commons

Auch die gregorianischen Gesänge, die sie in Sant‘ Anselmo in Rom vernimmt, haben eine große Wirkung auf sie. Begeistert berichtet sie darüber: „Am Ende eines solchen Tags, den ich ganz damit verbracht habe, geistliche Musik zu hören, fühlt man sich äußerst wohl. Wenn das Paradies Sankt Peter gleicht, während der Chor der Sixtina singt, dann lohnt es, darauf zuzugehen“.

Als Simone Weil die Stätten in Assisi besucht, gewinnt die Wirkung, die das Schöne auf sie hat, noch weiter an Stärke. In einem Brief an die Eltern schreibt sie: „Nie hätte ich solch eine Landschaft, eine so prächtige Menschenart und so eindrucksvolle Kirchen erträumt. … Als ich dort in der kleinen romanischen Kapelle aus dem zwölften Jahrhundert, Santa Maria degli Angeli, diesem unvergleichlichen Wunder an Reinheit, wo der heilige Franz so oft gebetet hat, allein war, da zwang mich etwas, das stärker war als ich selbst, zum ersten Mal in meinem Leben auf die Knie.“

Noch intensiver ist das Empfinden, als Simone Weil die Kar- und Ostertage in der Benediktinerabtei Solesmes verbringt. Als sie trotz Kopfschmerzen dem gesungenen Chorgebet zuhört, erlebt sie etwas Neues: „Eine außerordentliche Anstrengung meiner Aufmerksamkeit erlaubte mir, aus diesem elenden Körper herauszugehen, ihn allein, in seine Ecke gekauert, leiden zu lassen, und eine reine und vollkommene Freude in der unerhörten Schönheit des Gesangs und der Worte zu finden. Durch Analogie hat mir diese Erfahrung erlaubt, die Möglichkeit besser zu verstehen, die göttliche Liebe durch das Unglück hindurch zu lieben.“

Als sie kurz danach ein Gedicht des Dichters George Herbert über die Liebe auswendig lernt und es immer wieder aufsagt, wird die Begegnung mit dem Schönen zu einer unmittelbaren Christuserfahrung. Sie bezeugt es mit den Worten: „Einmal, während ich es las, ist … Christus selbst herniedergestiegen und hat mich ergriffen“. Simone Weil ist von diesem Ereignis überrascht: „einer wirklichen Berührung, von Person zu Person, hienieden, zwischen dem menschlichen Wesen und Gott“.

Simone Weil erfährt, dass „in allem, was in uns das reine und echte Gefühl des Schönen hervorruft, reale Gegenwart Gottes liegt“. Denn das Irdische empfängt „durch die Liebeden Abdruck der göttlichen Weisheit und wird [dadurch] schön“. Diese Schönheit der Welt gilt es zu lieben, denn sie ist das Zeichen eines Austausches von Liebe zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung.“

 Nach der Überzeugung Simone Weils sind „der Blick und das Warten … die Haltung, die dem Schönen entspricht“. Sie wird nicht müde, immer wieder über die Aufmerksamkeit nachzudenken. „Die Aufmerksamkeit besteht darin“, so Simone Weil, „den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen, bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten…Und vor allem sollte der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen“.

Schönheit ist für Simone Weil nicht nur etwas für Privilegierte, sondern spricht „zu allen Herzen“, zum gebildeten Professor ebenso wie zum einfachen Lohnarbeiter. Es gilt lediglich, auf dem geistlichen Weg empfänglich zu werden für die Schönheit. Simone Weil tröstet gleichzeitig jene, die sich zwar redlich darum bemühen, aber keinen Fortschritt erkennen können: Gott wirkt oft im Verborgenen, oft unmerklich für den Betroffenen. Kurz vor ihrem Lebensende empfängt sie „nach Monaten innerer Verfinsterung … plötzlich und für immer die Gewissheit, dass jedes beliebige menschliche Wesen, selbst wenn es so gut wie gar keine natürlichen Fähigkeiten besitzt, in dieses dem Genie vorbehaltene Reich der Wahrheit eindringt, sobald es nur die Wahrheit begehrt und seine Aufmerksamkeit in unaufhörlicher Bemühung auf ihre Erreichung gerichtet hält.“

 Simon Weil stirbt mit 34 Jahren an Tuberkulose, entkräftet infolge der Solidarität mit den Hungernden des 2. Weltkrieges. Vielleicht würden wir sie heute als Heilige verehren, aber sie trat trotz ihrer lebendigen Beziehung zu Christus nie in die katholische Kirche ein. Sie wollte frei bleiben in ihrem Fragen und Denken, weil sie darin einen Zugang zu Gottes Wirklichkeit fand.

21. August 2016
Text: Jeannette Gosteli
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Ministrantenplan Zittau August / September 2016

Sonntag 21.8. 10.00 Uhr Silvana Walde, Bettina Walde, Sophie Rönsch, Josephin Rönsch
Donnerstag 25.8. 18.30 Uhr Rebekka Jäckel, Alma Herrmann
Sonntag 28.8. 10.00 Uhr Philipp Meichsner, Julius Roggenbuck, Michael Jöst, Benjamin Jöst, Rebekka Jäckel, Alma Herrmann, Charlotte Erdmann
Donnerstag 1.9. 18.30 Uhr Bettina Walde, Silvana Walde
Sonntag 4.9. 10.00 Uhr Christoph Sperling, Anna Sperling, Martin Leipert, Niklas Seeger, Patrick Thomas, Justus Förster, Konstantin Cervinka
Nächste Mini-Stunde Donnerstag 1.9. 16.30 Uhr die Neuen

17.00 Uhr die Alten Hasen

Bitte an die Anmeldung für die Mini-Fahrt denken!!!!!!!!!!!!

Vermeldungen Zittau vom 21.08.2016

Gottesdienste:

 

Zittau, Kath. Kirche. Lessingstraße 18

Sonntag, 21.08. 10.00 Uhr Hl. Messe
Dienstag 08.00 Uhr Hl. Messe, anschl. Rosenkranz
Donnerstag 18.00 Uhr Anbetung des Allerheiligsten
18.30 Uhr Hl. Messe                     (+ Ernst Herrmann)
Freitag 08.00 Uhr Hl. Messe, anschl. Rosenkranz
Samstag 16.00 Uhr Gelegenheit zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung
Sonntag, 28.08. 10.00 Uhr Hl. Messe mit Segnung zur diamantenen Hochzeit von Eva und
Siegfried Posselt                (+ Marianne Hoffmann)

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Hirschfelde, Kath. Kirche, Komturgasse 9

Samstag, 20.08. 17.30 Uhr Hl. Messe
Sonntag, 28.08. 08.30 Uhr Hl. Messe

 

Olbersdorf, Kath. Kapelle, Leipaer Str. 2

Sonntag, 21.08. 08.30 Uhr Hl. Messe
Samstag, 27.08. 17.30 Uhr Hl. Messe

 

Kollekten:

Samstag/Sonntag 20./21.08. für unsere Gemeinde
Samstag/Sonntag.27./28.08. für unsere Gemeinde

 

Veranstaltungen

Probe des Kinderchores Montag, 16.15 Uhr
Probe des Teeniechores Montag, 17.00 Uhr
Elternabend für die Eltern der Firmbewerberr Dienstag, 20.00 Uhr
Sitzung des Pfarrgemeinderates Mittwoch, 19.00 Uhr
Treff der Küster Mittwoch, 19.30 Uhr
Probe des Kirchenchores Donnerstag, 19.30 Uhr
Jugendabend Freitag, 19.00 Uhr

 

Hinweise

  • Am Samstag ist die Amtseinführung unseres neuen Bischofs Heinrich Timmerevers. Der Festgottesdienst beginnt um 10.00 Uhr in der Dresdener Hofkirche. Sie können die Hl. Messe auch im MDR- Fernsehen ab 10.00 Uhr live verfolgen.
  • Der Pilgerhäusl e. V. lädt zum Pilgertag am 03.09.2016 von Kriesdorf (Křižany) bis Böhmisch Aicha (Český Dub) ein. Die Anfahrt ist um 7.30 Uhr ab Bahnhof Zittau mit Bus. Deshalb ist die Teilnehmerzahl auf 25 begrenzt und eine Anmeldung über das Pfarramt Löbau (Tel: 03585/862580) zwingend notwendig.
  • Am Samstag, den 17.09. ist in Berlin der „Marsch für das Leben“ für die ungeborenen Kinder statt. Nähere Infos und eine Liste, in die Sie sich bitte eintragen, wenn Sie daran teilnehmen wollen, finden Sie im Kircheneingangsbereich.

 

Verstorben

ist aus unserer Gemeinde Frau Helena Wagner, zuletzt wohnhaft in Dittelsdorf, Wittgendorfer Feld 6, im Alter von 88 Jahren. Die Beerdigung ist am Mittwoch, um 14.00 Uhr auf dem Friedhof in Dittelsdorf.                      R.i.p.

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Geistlicher Impuls für die Woche 33/2016

Bernhard von Clairvaux: Wenn Gott den Menschen besucht

Vorschaubild„Gott existiert. Er ist mir begegnet“, schreibt der französische Publizist André Frossard in seinem gleichnamigen Buch. Eine solche Aussage ist gewagt, denn sie stößt meistens auf Widerspruch. Menschen, die diese Gotteserfahrung weder teilen, noch herbeisehnen, werden verständnislos den Kopf schütteln. Vielleicht kommt sogar der Verdacht auf, dass sich der Autor nur wichtigtun will. Es ist kein Wunder, wenn nur wenige den Mut aufbringen, von ihren Gottesbegegnungen zu erzählen. Einer, der dazu nicht nur die nötige Courage, sondern zugleich über ein geniales Ausdrucksvermögen verfügt, ist der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux. 

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„Erfahre es selbst!“ – Bernhards wichtigster geistlicher Rat

Der geistlich erfahrene Ordensmann weiß um die Schwierigkeit, über eigene Gotteserfahrungen zu berichten. In einer Predigt vermerkt er, dass jeder Betroffene „aus Scham still verbirgt, was er still erlebt, und sich selber besser gesichert glaubt, wenn er sein Geheimnis für sich behält“. Aber er weiß auch, dass er als geistlicher Vater „nicht schweigen darf, über das Wesen dieser Vorgänge, wie [er] sie aus eigener oder fremder Erfahrung kenn[t]“. Dieser Einsicht verdanken wir wundervolle Texte, von denen wir in dieser Betrachtung eine kleine Kostprobe genießen wollen. Die zehnbändige Gesamtausgabe von Bernhards Werken umfasst knapp 8.000 Seiten! Auf nahezu jeder Seite werden wir entdecken, wie sehr uns der großartige Prediger gewinnen will, uns für die erfahrbare Liebe Gottes zu öffnen. Ihm liegt nicht nur daran, die Sehnsucht nach der Nähe Gottes zu wecken; er führt uns zugleich auch ein, wie solche Erfahrungen erkannt und gedeutet werden können. In dieser Aufgabe erweist sich Bernhard als begnadeter geistlicher Lehrer.

Die Liebkosung – Detail aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), © Universitätsbibliothek Heidelberg
Die Liebkosung – Detail aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), © Universitätsbibliothek Heidelberg

Seine ausführlichsten und zugleich schönsten Texte über die Gotteserfahrung finden wir in den Predigten zum Hohelied. Diese Liebeslyrik aus dem Alten Testament beschreibt das leidenschaftliche Verhältnis zwischen Braut und Bräutigam und die daraus hervorgehende Sehnsucht. Während das Judentum darin die Beziehung Gottes zu seinem auserwählten Volk Israel wiederfindet, überträgt das frühe Christentum das Bild auf das Verhältnis zwischen Kirche und Gott. Bernhard zieht das Liebesgeschehen noch näher an den Einzelnen und deutet es als innige Beziehung zwischen der Seele und Gott.

Schon zu Beginn seiner Predigtreihe warnt Bernhard davor, das Hohelied nur von außen zu betrachten. Der lebendige Glauben braucht die Verinnerlichung; er braucht die eigene Erfahrung.

So heißt es bei Bernhard auch zum Hohelied: „Dieses Lied kann nur der Geist der Liebe lehren, es lässt sich nur in der Erfahrung lernen. Wer es erfahren hat, erkennt es wieder, und wer noch nicht, soll glühen in der Sehnsucht, nicht: mehr von ihm zu wissen, sondern: an der Erfahrung teilzuhaben. Dies Lied klingt nicht im Ohr: es jubelt im Herzen. Es tönt nicht von den Lippen, sondern erregt in tiefer Freude. Nicht Stimmen schwingen in eins, sondern die Strebungen der Herzen. Es ist nicht draußen zu vernehmen, es schallt nicht offen auf dem Markt. Nur die es singt, vernimmt den Klang und der, dem sie es singt“.

 

„Komm, mein Geliebter!“ – Besuch will ersehnt sein

 Statue des hl. Bernhard von Clairvaux in der Klosterkirche der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal

Statue des hl. Bernhard von Clairvaux in der Klosterkirche der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal

In seiner 74. Predigt über das Hohelied legt Bernhard selbst Zeugnis ab, wie er zum Liebhaber Gottes wurde. Er beschreibt diese Erfahrung mit dem schönen Bild des „Besuchs“. So, wie der Bräutigam seine Braut besucht, kommt das WORT zu Bernhard und kehrt bei ihm ein.

„Be-such“ hat – wie der Wortstamm deutlich macht – etwas mit Suchen zu tun. Nur wenn wir uns nach dem Besuch sehnen, wird er seiner eigentlichen Intention auch gerecht; sonst wäre es eher ein Überfall. Mit dem Bild des Besuchs des WORTS will uns Bernhard sagen: Wie beim Treffen mit einem geliebten Menschen geht es auch beim Besuch Gottes in erster Linie um die Frage, ob wir ihn wirklich herbeiwünschen.

Das WORT, das Bernhard besucht, dürfen wir uns nicht als etwas Geschriebenes oder Gesagtes vorstellen. Es ist „nicht durch die Augen eingetreten, denn es hat keine Farbe. Auch nicht durch die Ohren, denn es hat keinen Klang“. Bernhard stellt weiter fest: „Durch keines meiner Sinnesorgane glitt es in mein Inneres. Nur an der Erregung meines Herzens habe ich … seine Gegenwart erkannt. Am Schwinden meiner Leidenschaften, am Zusammenschrumpfen meiner fleischlichen Empfindungen merkte ich seine mächtige Wirkkraft. Am Aufstöbern und Entlarven meiner verborgenen Schwächen und Fehler stellte ich staunend die Tiefe seiner Weisheit fest. An einer noch so geringen Verbesserung meiner Lebensart erfuhr ich, wie gut und mild es war. An der Erneuerung und Wiederherstellung meiner inneren Gesinnung, das heißt meines inneren Menschen, stellte ich bis zu einem gewissen Grad fest, wie schön seine Gestalt war. Und angesichts all dieser Wirkungen geriet ich in Schrecken und Staunen ob seiner gewaltigen Größe.“

Wenn Gott die menschliche Seele besucht, weckt er sie auf und ermuntert sie, sich ehrlich anzuschauen. Sich selbst zu erkennen ist ein schmerzvoller Prozess! Doch dabei bleibt die von Gott bewegte Seele nicht stehen, denn das WORT beginnt auch „auszureißen und zu zerstören, aufzubauen und zu pflanzen (Jer 18,9), das Dürre zu bewässern, das Finstere zu erleuchten, das Verschlossene zu öffnen, das Gefrorene in Glut zu versetzen, das Krumme gerade und das Unebene zu ebenen Wegen zu machen“. Bernhard formuliert es noch einmal kürzer: „An der Tugend also, die dich umwandelt, und an der Liebe, die dich entflammt, erkenne die Gegenwart des Herrn!“.

 

 

„Kehr zurück!“ – Erfahrung wird zur Sehnsucht

 Ein ersehnter Besuch ist voller Licht und Wärme; er hat jedoch auch eine große Schattenseite. Je mehr wir unseren Besucher lieben, umso schwerer fällt der Abschied; umso schmerzlicher ist die Zeit seiner Abwesenheit. Bernhard verschweigt diese Sehnsucht nicht, denn sie folgt der Gotteserfahrung wie der Fußabdruck nach einem Schritt im Sand.

Bernhard schildert eindrücklich, wie er dem Trennungsschmerz selbst begegnet: „Zeit meines Lebens wird dieses ‚Kehr zurück!‘ (Hld 2,17) ein Wort sein, das ich oft gebrauchen werde, um das WORT zurückzurufen. Und so oft es mir wieder entgleitet, so oft werde ich diesen Ruf wiederholen. Ich werde nicht aufhören, mit der glühenden Sehnsucht meines Herzens zu schreien, wie man einem Davonlaufenden nachschreit, damit es wieder umkehrt und mir wieder die Freude seines Heils schenkt, mir sich selbst schenkt.“

Aber warum zieht sich Gott immer wieder zurück? Bernhard erinnert bei der Antwort auf diese Frage an Jesus. Auch er tut manchmal so, als wolle er an seinen Jüngern vorübergehen. Aber er kommt zurück, wenn er gerufen wird. Er erfüllt ihren Wunsch, wenn sie ihn bitten „Bleibe doch bei uns!“ (Lk 24,29).

Genauso handeln wir bei unseren Mitmenschen, deren Besuch wir lieben. Wir drängen auf ein baldiges Wiedersehen. Wir treffen Vorbereitungen, machen Ordnung und sorgen für eine gute Bewirtung. Vor allem aber nehmen wir uns Zeit. Wir freuen uns auf den Austausch und genießen die gegenseitige Nähe.

Bernhard hat all das vor Augen, wenn er das Bild des „Besuchs vom WORT“ für die Gotteserfahrung nutzt. Denn so wird uns anschaulich, wie sehr auch Gott auf unser Sehnen nach ihm wartet.

 

14. August 2016
Text und Fotos: Jeannette Gosteli
  Geistlicher Impuls als Pdf-Datei

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