Geistlicher Impuls für die Woche 27/2016

VorschaubildPetrus und die Reue

Wer die große Pfarrkirche St. Peter und Paul in Görlitz besucht, hat es meistens auf die berühmte Sonnenorgel abgesehen und übersieht oft ein liebenswertes Detail: die kindsgroße Petrusfigur, die auf einem Türmchen der Westfassade steht. Sie ist die einzige Heiligenstatue am Außenbau und wurde vor einigen Jahren durch eine Replik ersetzt. Das Original befindet sich im Kircheninneren, sodass wir uns den Heiligen auch von Nahem besehen können. Beim Anblick wird schnell klar, warum dieser kleine Petrus seit über fünfhundert Jahren von den Hiesigen in Ehren gehalten wird: Er ist ungewöhnlich. 

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Wir kennen Petrus als stattliche Gestalt, der oft zusammen mit Paulus an Kircheingängen oder auf Hochaltären postiert ist): ein großer bärtiger Mann, der allein schon durch seine Statur Kraft und innere Festigkeit ausstrahlt. Die Bildhauer sind sich über Jahrhunderte hinweg einig: Petrus ist die große Führungsfigur: einst das Oberhaupt einer Fischerfamilie; später der Wortführer des Jüngerkreises Jesu, auch der Organisator der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem – der „Fels“, auf den Jesus seine Kirche baut. Dabei soll Petrus nicht nur sicheren Halt auf Erden verkörpern; ihm ist auch die Gewalt gegeben, das Himmelreich aufzuschließen. Darauf deutet ein Schlüssel, den Petrus für gewöhnlich bei sich trägt.

Petrusfigur in der Görlitzer Peterskirche, Mitte des 15. Jh.
Petrusfigur in der Görlitzer Peterskirche, Mitte des 15. Jh.

Während dieser Schlüssel die große Ausstrahlungskraft des großen Anführers in der Regel noch unterstreichen, haben sie beim Görlitzer Petrus eine ganz andere Wirkung. Man muss eher befürchten, dass Petrus bald entkräftet die Arme sinken lässt. Die kleine Sandsteinfigur wirkt auf uns seltsam „geknickt“. Traurig, ja geradezu entsetzt schaut sie aus, wobei der Blick mehr nach innen gerichtet ist, als dass er etwas vor sich Liegendes erfassen würde. Umso mehr zieht uns diese leidende Gestalt an; wenn wir sie eine Weile auf uns wirken lassen, fasst sie uns ans Herz. Und sie stimmt uns nachdenklich. Was bedrückt wohl diesen kleinen Petrus?

Ein Blick in die Heilige Schrift gibt Aufschluss, denn in ihr wird nicht nur der starke Petrus geschildert. Die biblischen Berichte zeichnen seinen Weg des geistlichen Wachsens und Reifens mit all seinen Höhen und Tiefen nach. Und so kommen auch die schwachen Momente zur Sprache.

Den traurigen Petrus finden wir in allen Evangelien wieder. Wir kennen die betreffende Szene allzu gut: Als Jesus gefangen genommen und zum Verhör abgeführt wurde, „da verließen ihn alle und flohen“ (Mk 14,50) – auch Petrus, der eigentlich von seinem Wesen her ein treuer Gefährte ist. Doch diese Treue gerät – trotz aller guten Vorsätze und Beteuerungen – an ihre Grenzen.

Man muss Petrus zugutehalten, dass er Jesus wenigstens bis in den Hof des Hohepriesters folgt und damit die Verbindung zu seinem Meister nicht ganz abbricht. Aber in Lebensgefahr, in der auch die Anhänger Jesu schweben, gewinnt die Angst an Übermacht. Jesus wusste das und sagte voraus, dass Petrus ihn verleugnen wird, noch ehe der Hahn kräht. Und so kommt es auch. Dreimal wird Petrus im Hof des Hohepriesters von den umherstehenden Menschen angesprochen. Dreimal widerspricht er ihnen und leugnet, Jesus überhaupt zu kennen. Dann kommt die entscheidende Wende: Mit dem Hahnenschrei erinnert sich Petrus an Jesu Worte. „Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22,62).

Die Tränen deuten wir als Entsetzen über das eigene Versagen, als Scham über die eigene Schwäche, als Reue über das, was nicht mehr rückgängig zu machen ist: die Verleugnung, ein Jünger Jesu zu sein. Die biblischen Berichte respektieren diese verletzliche Privatsphäre und brechen die Schilderungen dazu ab. Wir erfahren nicht, ob sich Petrus bei Jesus in irgendeiner Form entschuldigt, was einem so starken Charakter enorm schwerfallen dürfte. Wir hören auch nicht, ob Petrus im Gebet um Gottes Hilfe bittet. Wir wissen lediglich, dass er später mehr mit Taten als mit Worten zu seiner alten Treue wiederfand.

Zunächst vergrößert Petrus allerdings noch die Distanz zu Jesus, denn er verlässt den Hof und beobachtet das folgende Geschehen auf Golgotha nur aus einiger Entfernung. Dann aber – so berichtet das Johannesevangelium – nimmt Petrus die Beziehung zu Jesus wieder auf; er eilt zum Grab, als er vom Verschwinden des Leichnams Jesu erfährt. Nun wird die Angst noch größer und er schließt sich aus Furcht mit den Jüngern im Haus ein.

Seltene Darstellung: Petrus mit Hahn unterm Kreuz – Wegdenkmal in Schemmel/Všemily (Böhmische Schweiz)
Seltene Darstellung: Petrus mit Hahn unterm Kreuz – Wegdenkmal in Schemmel/Všemily (Böhmische Schweiz)

Die Situation ändert sich erst, als der auferstandene Jesus in ihre Mitte tritt. Er reagiert auf die Verleugnung weder mit Vorwurf, noch mit Tadel oder gar Strafe. Jesus ist nicht nachtragend; ganz im Gegenteil: Er wünscht den verängstigten Jüngern Frieden und schenkt ihnen den Heiligen Geistes.

Mit Jesu Erscheinen ist die große Krise überwunden. Die Angst weicht der wiedergewonnenen Liebe. Aus Rückzug und Flucht wird ein Bleiben; aus der Selbstsicherheit in die eigenen Kräfte das Vertrauen auf den neuen Beistand, den Heiligen Geistes. Nach dem schweren Weg, der von Abschied und Verlust geprägt ist, beginnt für Petrus und die anderen Jünger etwas völlig Neues: ein geistbestimmtes Leben.

Der Hahnenschrei und die darauffolgende Reue des Petrus nehmen dabei eine wichtige Scharnierfunktion ein. Leider wird der Hahn meist nur als Symbol der Verleugnung angesehen. Genauso zutreffend wäre es aber auch, ihn als Zeichen des beschriebenen Neuaufbruchs zu betrachten. Denn mit seinem Ruf signalisiert er die Wende von der Nacht zum Tag, den Wechsel von der Finsternis zum Licht. Wir können erahnen, welche Symbolkraft darin liegt, dass die Reumütigkeit des Petrus genau in diesen Zeitpunkt fällt.

Dass Reue zu neuem Leben führt, bleibt in der Geschichte der christlichen Spiritualität kein Einzelfall. Immer wieder bezeugen große Gestalten des Christentums ähnliche Erfahrungen. Dabei handelt es sich nicht um beliebige Ereignisse, die einem früher oder später leidtun. Vielmehr geht es um einschneidende Lebenserfahrungen, die mit Sinnesänderung, innerer Umkehr und neuen Entschlüssen verbunden sind. Sie markieren nicht selten den entscheidenden Wachstumsknoten in der Biografie vieler Mystiker.

Am ausführlichsten berichtet Augustinus, der große Kirchenvater, über seine Erfahrungen. In seinen Bekenntnissen schaut er mit Verachtung auf das alte Leben und schreibt: „Wo ich von Reue zerrissen war, wo ich voll Hoffnung auf dich [Gott] meinen alten Menschen dir als Schlachtopfer dargebracht und auf die Erneuerung meines Geistes zu sinnen begonnen hatte, dort hattest du mich deine Süßigkeit verkosten lassen und ‚Freude in mein Herz gegeben‘. Und ich schrie laut auf, da ich dieses draußen las und im Innern erfuhr. Ich wollte nicht mehr reicher werden an irdischen Gütern, das Zeitliche verschlingend und vom Zeitlichen verschlungen, da ich in ewiger Einfachheit anderes ‚Getreide und Wein und Öl‘ hatte“. In diesen Zeilen zeigt sich deutlich: Reue hat zwei Seiten. Am Anfang stehen Scham und Trauer, danach folgen jedoch Freude und ungeahnter Reichtum.

Ein weiteres eindrückliches Beispiel finden wir in einer überlieferten Geschichte über Johannes Tauler, der im 14. Jh. als Prediger in Straßburg wirkte. Dem Dominikaner und Mystiker wird von einem Laien vorgehalten, er würde zwar wunderbar predigen, aber selbst nicht nach der Wahrheit leben. Wie Petrus geht Tauler zunächst in Abwehrhaltung und fühlt sich wie vernichtet. Später sinnt er darüber nach und gesteht sich den Vorwurf ein. Schließlich führt ihn die Reue auf den rechten Weg, so dass er später oft über die Umkehr predigt und die schöne Feststellung trifft: „Eine wahre Reue ist eine zweite Unschuld“.

 Natürlich lässt sich das nicht einfach durch reumütiges Verhalten einfordern. Vergebung bleibt immer auch ein Geschenk. Basilius von Cäsarea, Bischof aus Kappadokien, ist dennoch zuversichtlich, wenn er in seiner Mönchsregel schreibt: „Überall aber gewährt die aufrichtige Reue eine sichere Hoffnung auf Verzeihung“. Er ist überzeugt: Reue bleibt nicht wirkungslos. Das ist heutzutage sogar im Strafgesetzbuch verankert. In § 24 wird jedem Straflosigkeit zugesagt, wenn er sich „freiwillig und ernsthaft bemüht, die Vollendung [einer Straftat] zu verhindern“.

In der geistlichen Tradition ist man sich seit jeher der Bedeutung der Reue bewusst. Johannes Cassian, der im 5. Jh. einen großen Einfluss auf die Spiritualität der Westkirche nimmt, spricht immer wieder von der Zerknirschung des Herzens, die für das geistliche Wachsen ganz entscheidend ist. Benedikt von Nursia weist seine Mönche darauf hin, dass das Beten „mit Tränen der Reue“ einhergehen soll. Bernhard von Clairvaux warnt Papst Eugen III. vor einem harten Herzen, das er einem Organ gleichsetzt, „welches sich weder von Reue zerreißen, noch durch Zuneigung erweichen, noch durch Bitten bewegen lässt … [ihm] ist die Gottesfurcht und das Gespür für die Menschen abhandengekommen“. Achthundert Jahre später erinnert auch Papst Benedikt XVI. an diese Erkenntnis. Bei einer Ansprache im Jahr 2010 spricht er die hoffnungsvollen Worte „Die Reue ist das Maß des Glaubens, und dank ihrer kehrt man zur Wahrheit zurück“. Welch wunderbare Wegweisung!

004_0129Blicken wir zum Schluss noch einmal auf unseren kleinen Petrus. Er sieht immer noch niedergeschlagen aus, doch wissen wir jetzt, dass in dieser Betrübnis eine große Hoffnung verborgen ist – die Hoffnung, Jesu Nähe nach einem Versagen wiederzufinden, seinen Frieden zu empfangen und mit Freude ein geistbestimmtes Leben zu beginnen. Deswegen können wir der nächsten Provokation eines Mitmenschen mit Offenheit begegnen. Vielleicht ist sie uns ja wie bei Petrus eine große Hilfe, den Weg heilsamer Umkehr zu beschreiten – durch Einsicht und Reue.

 

 

26. Juni 2016
Text und Fotos: Jeannette Gosteli
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Vermeldungen Löbau 25.06.2016

Gottesdienste:
Löbau, Kath. Kirche, August-Bebel-Str. 6

Samstag, 25.06. 10.00 Uhr Requiem für + Magdalena Freund
Samstag, 25.06. 16.30 Uhr Gelegenheit zum Sakrament der Versöhnung
Sonntag, 26.06. 10.00 Uhr Hl. Messe
Sonntag, 03.07. 10.00 Uhr Hl. Messe

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Herrnhut, Kath. Kirche, Oderwitzer Str. 2

Samstag, 25.06. 17.30 Uhr Hl. Messe
Donnerstag, 30.06. 17.30 Uhr Wort-Gottes-Feier
Samstag, 02.07. 17.30 Uhr Hl. Messe

 

Kollekten:

Samstag/Sonntag, 25./26.06. für unsere Gemeinde
Samstag/Sonntag, 02./03.07. für die Aufgaben des Hl. Vaters

 

Veranstaltungen

RKW:

Teilnehmer in Ostritz: jeweils Montag bis Freitag 09.30 – 16.00 Uhr; am Mittwoch Kinderwallfahrt

nach Rosenthal; Abfahrt in Ostritz 08.00 Uhr

 

Vorschau

Kreativkreis Montag, 04.07., 14.00 Uhr

 

Aufgebot

Das Sakrament der Ehe wollen sich spenden:

Undine Warnatsch, geb. 05.06.1987, Sekretärin, wohnhaft in 01239 Dresden, Jakob-Winter-Platz 3; röm.-kath.

und Daniel Heinrich, geb. 23.08.1988, Verwaltungsangestellter, wohnhaft in 01239 Dresden, Jakob-Winter-Platz 3, o.R.

Die Trauung soll am 08.07.2016 um 15.00 Uhr in der katholischen Kirche St. Petrus in Dresden sein.

 

Verstorben

Am 18.06.2016 Frau Magdalena Freund, 88 Jahre, aus Löbau.

Das Requiem feiern wir am Sonnabend, 25.06.2016, 10.00 Uhr in unserer Pfarrkirche.  R.i.p.

 

Am 22.06.2016 Frau Eleonora Tuma, 88 Jahre, aus Löbau

Die Trauerfeier mit anschl. Beerdigung ist am Dienstag, 28.06.2016, 13.30 Uhr auf dem katholischen Friedhof Löbau. R.i.p.

–> Vermeldungen Löbau (pdf-Datei) herunterladen

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Vermeldungen Zittau 26.06.2016

Gottesdienste:

 

Zittau, Kath. Kirche. Lessingstraße 18

Sonntag, 26.06. 10.00 Uhr Hl. Messe      (+ Dorothea Milde)
Dienstag 08.00 Uhr Hl. Messe, anschl. Rosenkranz
Mittwoch 09.00 Uhr Hl. Messe  – Apostel Petrus und Paulus
Donnerstag 18.00 Uhr Anbetung des Allerheiligsten
18.30 Uhr Hl. Messe mit Pfr. Tschöpe
Freitag 08.00 Uhr Hl. Messe, anschl. Rosenkranz
Samstag 16.00 Uhr Gelegenheit zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung
Sonntag, 03.07. 10.00 Uhr Hl. Messe – Festgottesdienst  zum Patronatsfest und silbernen
Priesterjubiläum von Pfr. Cech mit Kinderkatechese
14.30 Uhr Andacht

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Hirschfelde, Kath. Kirche, Komturgasse 9

Samstag, 25.06. 17.30 Uhr Hl. Messe
Sonntag, 03.07. keine Hl. Messe

 

Olbersdorf, Kath. Kapelle, Leipaer Str. 2

Sonntag, 26.06. 08.30 Uhr Hl. Messe
Samstag, 02.07. 17.30 Uhr Hl. Messe

 

Kollekten:

Samstag/Sonntag 25./26.06. für unsere Gemeinde
Samstag/Sonntag 02./03.07. für die Aufgaben des Hl. Vaters

 

Veranstaltungen

Beethovenkonzert mit dem akademischen Chor Sonntag, den 26.06. um 18.00 Uhr. Bitte beachten Sie das Plakat.
Bilder vom Katholikentag Dienstag, 19.30 Uhr
Probe des Kirchenchores Donnerstag, 18.00 Uhr
Jugendabend Freitag, 19.00 Uhr
Gemeindefest zum Patronatsfest und silbernen Sonntag, 03.07.; Beginn mit der Hl. Messe,
Priesterjubiläum anschl. Mittag, Programm, Andacht und
Kaffeetrinken

 

Hinweise

  • Die Listen für die Fest Helfer, Kuchenbäcker und Salatbereiter für das Gemeindefest haben sich schon gefüllt. Es wäre schön, wenn sich die Lücken heute noch schließen würden.
  • Nach der Hl. Messe (26.06.) starten die Kinder zur RKW nach Reichwalde. Wir bitten Sie, die Kinder im Gebet zu begleiten. Für die Unkosten der RKW halten wir am Ausgang eine Türkollekte.
  • Pfr. Tschöpe feiert ebenfalls sein silbernes Priesterjubiläum. Er wird aus diesen Anlass am Donnerstag die    Hl. Messe mit uns feiern. Im Anschluss ist die Möglichkeit zu Begegnung und Gespräch mit ihm.
  • Die Wallfahrtskirche in Haindorf feiert am Samstag das Patronatsfest. Der Festgottesdienst beginnt um     10.30 Uhr.

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Vermeldungen Löbau 18.06.2016

Gottesdienste:
Löbau, Kath. Kirche, August-Bebel-Str. 6

Sonntag, 19.06. 10.00 Uhr Familiengottesdienst, anschl. Benno-Andacht auf dem Rotstein
Mittwoch, 22.06. 08.30 Uhr Hl. Messe
Samstag, 25.06. 16.30 Uhr Gelegenheit zum Sakrament der Versöhnung
Sonntag, 26.06. 10.00 Uhr Hl. Messe

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Herrnhut, Kath. Kirche, Oderwitzer Str. 2

Sonntag, 19.06. 09.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst im Kirchsaal der Brüdergemeine
Samstag, 25.06. 17.30 Uhr Hl. Messe

 

Großschweidnitz, Ev. Kirche

Freitag, 24.06. 17.00 Uhr Hl. Messe (für + Walter Baumgarth)

 

Kollekten:

Sonntag, 19.06. für die Aufgaben der Caritas
Samstag/Sonntag, 25./26.06. für unsere Gemeinde

 

Veranstaltungen:

Kreativkreis Montag, 14.00 Uhr
Kirchenchor Mittwoch, 19.15 Uhr
Pfarrgemeinderat Donnerstag; Treff um 16.50 Uhr am Pfarrhaus

 

Pfarrjugend Freitag, 19.15 Uhr

 

RKW:

Teilnehmer in Reichwalde: Abfahrt mit dem Bus am Sonntag nach der 10.00-Uhr-Messe in Zittau

Teilnehmer in Ostritz: jeweils Montag bis Freitag 09.30 – 16.00 Uhr; am Mittwoch Kinderwallfahrt nach Rosenthal; Abfahrt in Ostritz 08.00 Uhr

 

Das Sakrament der Ehe wollen sich spenden:

Benjamin Ulbrich, geb. am 16.09.1986 in Löbau, Informatiker, römisch-katholisch, wohnhaft in Löbau, Auenweg 7

und

Judith Glück, geb. am 10.12.1989 in Dresden, Beamtin, evangelisch-lutherisch, wohnhaft in Löbau, Auenweg 7.

Die Trauung soll am 25.06.2016 in der evangelischen Kirche zu Kittlitz stattfinden.

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Geistlicher Impuls für die Woche 25/2016

Willy Müller groß (7)Das Weite suchen

Am vergangenen Freitag (17.6.16) wurde im Pilgerhäusl Hirschfelde eine neue Ausstellung eröffnet, die Bilder des Heimatkünstlers Willy Müller-Lückendorf zeigt. Mit seinen Gemälden führt uns der Maler zu den schönsten Aussichtspunkten des Zittauer Gebirges und lenkt unseren Blick in die Weiten der heimischen Berg- und Hügellandschaft. Es sind zwar keine Originalwerke zu sehen, sondern lediglich Reproduktionen; das schmälert jedoch in keiner Weise die besondere Wirkung, die diese Bilder auf uns haben können. Es lohnt sich, dieser Ausstrahlungskraft nachzugehen, denn sie führt uns auch zu einem wichtigen Thema der christlichen Spiritualität.

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Die Wirkung von Landschaftsbildern

Schauen wir zunächst auf eines der schönsten Werke von Willy Müller-Lückendorf: den in Öl gemalten „Blick in die nordböhmische Bergwelt“ aus dem Jahr 1948. Es ist erstaunlich, dass wir auf ein naturalistisches Werk aus dieser Zeit treffen, denn nach den beiden großen Weltkriegen ging man in der Kunstwelt neue Wege: Die Abbildungen wurden immer abstrakter und der Bezug zur äußeren Welt ging gänzlich verloren. Nicht so bei Willy Müller-Lückendorf, der fast sein ganzes Leben in Lückendorf verbrachte und seinem wirklichkeitsnahen Stil immer treu blieb – auch wenn ihn das die Anerkennung in der damaligen Kunstszene kostete.

Wenn wir das Landschaftsbild auf uns wirken lassen, fällt vor allem die beeindruckende räumliche Tiefe auf. Der kleine Bauernhof ist nur wenige Schritte von uns entfernt, während die sanften Erhebungen immer mehr entschwinden. Nähe und Weite bilden hier eine faszinierende Einheit.

Reprint des Originalwerks von Willy Müller-Lückendorf „Blick in die nordböhmische Bergwelt“, 1948
Reprint des Originalwerks von Willy Müller-Lückendorf „Blick in die nordböhmische Bergwelt“, 1948

 

Aus dieser Verbindung von Nähe und Weite ergibt sich auch eine gewisse Dynamik, wenn wir das Bild betrachten. Zunächst fallen uns die hübschen Häuser im Vordergrund ins Auge. Das vertraute Umgebinde verrät: Was hier gemalt ist, gehört zu unserer Heimat. Die Gebäude stehen für Schutz und Geborgenheit – hierhin kann sich der Mensch jederzeit zurückziehen; in ihnen ist alles Lebensnotwendige beherbergt. Wenn der Blick weiterwandert, trifft er auf Berge und Täler. Sie erinnern uns vielleicht an die letzte Wanderung und an die Freude, unsere Umgebung zu erkunden. Schließlich zieht auch der Horizont die Aufmerksamkeit auf sich. Alles weitet sich und scheint sich mit dem endlosen Himmel zu vereinen.

Das Gefühl von grenzenloser Weite, das beim Betrachten des Ausstellungsbildes aufsteigt, ruft sicher Erinnerungen an eigene Naturerlebnisse in uns hervor – sei es von einer Wanderung auf einen Aussichtsberg mit schönen Fernblicken oder von einem Urlaub, bei dem es uns in die weite Welt zog, um andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Häufig war damit sicher auch der Wunsch verbunden, Abstand zum Alltag und neue Eindrücke, neue Perspektiven zu gewinnen. Manchmal mussten wir vielleicht sogar sprichwörtlich „das Weite suchen“, um den zahlreichen Anforderungen und Bedrängnissen zu entkommen.

 

„Weite“ in der christlichen Spiritualität

„Weite“ spielt auch in der christlichen Spiritualität eine bedeutende Rolle. Immer wieder erzählt die Bibel von Menschen, die von inneren oder äußeren Zwängen befreit wurden. Denken wir nur an die großen Gestalten im Alten und Neuen Testament: an Mose, der als Säugling durch glückliche Fügung dem Tod entkam; an Josef, dem die Verfolgung seiner Brüder letztlich doch nichts anhaben konnte und auch an Jesus, der am Kreuz den Tod überwand. Die biblischen Erzählungen tragen dabei allesamt eine wichtige Botschaft: Der Mensch hat es nicht in der Hand, sich aus seinem Schicksal selbst zu befreien; Gott es ist, der Rettung und wirkliche Freiheit schenkt.

Diese Befreiung wird in Psalm 18 auch mit dem Erleben von Weite beschrieben. König David dankt zum Beispiel für die Hilfe Gottes mit den Worten: „Der Herr griff aus der Höhe herab und fasste mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern. … Er führte mich hinaus ins Weite“.

Auch in der Geschichte der christlichen Spiritualität begegnet uns immer wieder dieses Thema – am deutlichsten vielleicht im Bild der Stufenmodelle des geistlichen Weges, der immer auf Erden beginnt und hinauf zum Himmel, ins Weite, führt.

Als weiteres Beispiel sei Benedikt von Nursia, der Ordensvater der Benediktiner, angeführt. In der Vita wird uns sein äußerer Lebensweg zugleich als Spiegel seines inneren Wachsens vorgestellt. Benedikt flieht als junger Mann aus dem Trubel der Stadt mit ihren zahllosen Versuchungen und führt ein Leben als Eremit in abgelegenen Höhlen, bis er schließlich nach einem gescheiterten Versuch, einer Mönchsgemeinschaft beizutreten, auf dem über 500 Meter hohen Berg Monte Cassino ein eigenes Kloster gründet. Auffällig ist: Benedikt gewinnt im Laufe der Zeit immer mehr an Höhe und damit auch an Weitblick – physisch und auch spirituell.

Die Erfahrungen auf diesem Weg gibt er in einer Regel für seine Mönchsgemeinschaft weiter. Benedikt versteht sie als Anleitung und Weisung für das geistliche Leben, um „zum himmlischen Vaterland“ zu eilen. Im Prolog der Benediktusregel gibt er seinen Lesern einen wichtigen Rat; er schreibt: „…fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes“.

Das Bild des weiten Herzens findet sich schon im Psalm 119, der ganz vom Gottvertrauen geprägt ist. In Vers 32 heißt es wörtlich: „Ich eile voran auf dem Weg deiner Gebote, denn mein Herz machst du weit.“

Auch Franz von Assisi reflektiert seinen Glaubensweg vor allem auf dem Hintergrund der Wandlung seines Herzens. In seinem Testament erwähnt er, dass der entscheidende Wendepunkt in seinem Leben mit der Erfahrung seiner Liebesfähigkeit einherging, als er einem Aussätzigen begegnete. Und der kleine Mann aus Umbrien teilt mit Benedikt auch die Affinität zu Orten mit Weitblicken. All seine Rückzugsorte – egal ob im Rietital oder auf dem Berg La Verna – faszinieren durch ihre eindrücklichen Aussichten auf große Talebenen. Offensichtlich fühlt sich die Seele dort am wohlsten, wo ihr eigenes Empfinden mit dem Charakter des Ortes korrespondiert. Wer sich fürchtet, wird sich in eine Höhle verkriechen; wer das befreiende Wirken Gottes an sich spürt, wird hingegen eher offene Räume bevorzugen.

Die Mystikerin Hildegard von Bingen verbindet ihre Gotteserfahrung nicht nur mit Weite, sondern auch mit Weisheit und Freude. Das wird deutlich, wenn sie in einem Gebet formuliert: „Du [Gott] führst meinen Geist ins Weite, wehest Weisheit ins Leben und mit der Weisheit die Freude.“

Und Dietrich Bonhoeffer erkennt in „Jesus Christus … die Weite unseres Lebens“. In ihm findet der Widerstandskämpfer Halt und Orientierung – vor allem aber auch die innere Freiheit, an dem drohenden Todesurteil der Nazis nicht zu verzweifeln.

Die Auswahl an Beispielen soll genügen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, auf welch vielfältige Weise das geistliche Leben mit der Erfahrung von Weite verknüpft sein kann.

 

Räumliche Ausmaße als Betrachtungsgegenstand

Inwieweit sich auch Willy Müller-Lückendorf dieser spirituellen Dimension der Weite bewusst war, wissen wir nicht genau. Ein überliefertes Zitat gibt jedoch Gewissheit, dass er sich zumindest „als Landschaftsmaler immer bemühte, die schöne Natur und ihre Stimmungen aus einer inneren Beziehung zum Naturganzen zu gestalten…“

Seine zahlreichen Landschaftsbilder laden uns ein, dieses „Naturganze“ auf uns wirken zu lassen. Hören wir dabei auch auf Bernhard von Clairvaux! Der berühmte Zisterzienserabt empfiehlt seinen Mönchen, besonders die räumlichen Dimensionen zu betrachten. Denn – so Bernhard – Gott „ist zugleich die Breite und die Länge, die Höhe und die Tiefe.“

Wenn wir das nächste Mal eine schöne Aussicht erklimmen, können wir uns an diese Worte erinnern. Wir können versuchen, in der Weite der Landschaft die unermessliche Größe Gottes zu erspüren. Und wir können für einen Moment unserer eigenen Sehnsucht nach mehr Weite in unserem Herzen und unserem Leben Raum geben. Vielleicht führt sie uns immer mehr hinauf, wie es einst Benedikt und viele andere Mystiker erlebten.

In diesem Sinne: eine schöne Urlaubszeit und gutes Gelingen, das Weite zu suchen!

19. Juni 2016
Text und Foto: Jeannette Gosteli
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