Geistliche Impulse

Wöchentliche Gedanken, Anregungen oder Übungen für die Praxis christlicher Spiritualität


 

 

Ernst Barlachs „Fries der Lauschenden“ – Teil 3: „Die Träumerin“

 

„Wenn ich einmal reich wär …“ – keiner singt den Traum vom großen Geld so sympathisch wie der Milchmann Tevje in dem berühmten Musical „Anatevka“. Sympathisch ist uns der arme Jude, weil er offen ausspricht, was sich oft nur heimlich in unserem Herzen regt: der Wunsch, dem eigenen Lebensglück ein Stück näher zu kommen. Tevje sehnt sich vor allem nach einem schönen Haus, das ihm sicher mehr Beachtung und Anerkennung einbringen würde. Auch Ernst Barlach ist der Traum von mehr finanziellem Spielraum nicht fremd. Oft muss er Jahre warten, bis sich ein Auftraggeber findet, damit er seine künstlerischen Ideen auch umsetzen kann – wie beim „Fries der Lauschenden“. Ist das auch der Grund, warum seine Figurenserie mit der „Träumerin“ beginnt?

 

In der Mitte der bewegende Beginn

Die erste Holzfigur, die Ernst Barlach 1930 für den „Fries der Lauschenden“ aus Eichenholz erschafft, ist „Der Wanderer“. In der gegenwärtigen Aufreihung im Ernst Barlach Museum Hamburg nimmt sie die mittelste Position ein – vielleicht aus ästhetischen Gründen, weil der Wanderstab den Fries ganz unaufdringlich in eine rechte und linke Hälfte teilt. In jedem Fall ist die zentrale Stellung des „Wanderers“ ein schönes Zeichen, denn „Aufbrechen“, „Unterwegssein“ und nicht zuletzt „Ankommen“ sind Vokabeln, die – wie beim Wandern – auch die Mitte unseres Glaubens ausmachen. Auch in der Biografie Ernst Barlachs spielt das Wandern im Sinne von großen Lebenserkundungen eine elementare Rolle. In seinem Buch „Ein selbsterzähltes Leben“ schildert der Bildhauer eindrücklich, wie ihm schon in jungen Jahren alles zum Verdruss wird. Erst als er sich auf die große Russland-Reise begibt, meldet sich der lang vermisste Lebenshunger wieder. Barlach erfährt die „Beglücktheit eines selig Erwachenden“ und führt das auf das schlagartige Erkennen zurück, dass „alles ohne Maßen wirklich“ ist. In den fremden unverbauten Landstrichen, in den unverstellten Gesichtern entdeckt Barlach: „Das ist außen wie innen.“ Eine Authentizität, die berührt. Schlagartig fühlt er das Einssein mit allem, was ihn umgibt – mit der traurig in sich gekehrten Menschennatur genauso wie mit der fröhlich tanzenden. Und auch später bleibt ihm das Umherstreifen und das Beobachten des Wirklichen die wichtigste Quelle seiner künstlerischen Lebendigkeit.

 

„Fries der Lauschenden“ – neun Holzskulpturen von Ernst Barlach, ausgestellt im Ernst Barlach Haus Hamburg; rot umrahmt: „Die Träumende“
„Fries der Lauschenden“ – neun Holzskulpturen von Ernst Barlach, ausgestellt im Ernst Barlach Haus Hamburg;
rot umrahmt: „Die Träumende“

 


Ein ganz anderer Traum

Auf der Suche nach einer Antwort sollten wir zunächst in den Archiven „graben“, denn Barlachs „Träumerin“ hat eine interessante Entstehungsgeschichte. Diese beginnt nicht erst – wie bei den meisten anderen Figuren des „Frieses der Lauschenden“ – beim Entwurf für das Beethovendenkmal; ihren Anfang haben wir schon einige Monate zuvor zu suchen, und zwar genau in der Zeit, als der in Görlitz geborene Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer stirbt. Barlach verliert nicht nur seinen wichtigsten Förderer und Geldgeber; noch viel stärker trifft ihn der Verlust Cassirers als guten Freund; als einen der wenigen Menschen, die einen Zugang zu seiner damals noch ungewöhnlichen künstlerischen Ausdrucksweise haben.

In dieser Phase der Trauer und der finanziellen Ungewissheit zeichnet Barlach eine ganze Serie von menschlichen Gestalten – darunter auch „Die Träumende“. Vielleicht stürzt er sich in die Arbeit, um sich abzulenken; vielleicht aber auch, um sich zu erinnern, worauf es im Leben wirklich ankommt. Seine Figuren wirken alle seltsam erstarrt. Doch es ist nicht die Starre, die wir vielleicht auch selbst von Trauerfällen kennen: eine Starre, die aus der angstbesetzten Frage entspringt, wie es nun weitergehen soll. Barlachs Figuren erscheinen eher, als hätten sie – mitten in der Unterbrechung des normalen Lebens – etwas entdeckt, das ihre ganze Aufmerksamkeit fordert. Wenn wir ihre Haltung, ihre Gesten und Mimik richtig deuten, muss es etwas sein, das sie in eine stille, erlösende Glückseligkeit versetzt. Doch befragen wir die „Träumende“ einfach selbst!

 

 An den wichtigsten Traum denken

Die Träumende – Holzskulptur aus dem Fries der Lauschenden, Ernst Barlach, 1931, Ernst Barlach Haus Hamburg

Was sofort ins Auge springt, ist die Kleidung, die die grazile Frau nahezu ganz einhüllt. Nur die Hände und Füße sind unbedeckt. Alles erinnert ein wenig an eine Ordenstracht und führt uns zu einer schönen spirituellen Deutung, die vom Wüstenvater Evagrios Pontikos stammt: So ist zum Beispiel die Kopfbedeckung ein Symbol der göttlichen Gnade, die den Verstand behütet; der Mantel hingegen verkörpert das Sterben Christi und steht für den Kampf gegen alles, was uns von Gott trennt.

Auch unsere „Träumerin“ wird sich bestimmt auf diese Weise beschützt fühlen. Sie hat sich vielleicht bewusst vom Lärm der Welt, von den unzähligen Ansprüchen aus Familie und Beruf abgeschottet. Wie alle wirklich spirituell Suchenden zieht sich Barlachs „Träumerin“ nicht trotzig zurück, sondern sie verschließt sich, um sich ihren eigenen Wünschen und Träumen zu öffnen. Darauf deuten auch die verschlossenen Augen hin: die kleine Frau getraut sich, in ihre eigene Traumwelt einzutreten. Vielleicht sind es am Anfang noch konkrete Bilder – Erinnerungen an glückliche Momente, die sie sich wieder herbeisehnt. Doch irgendwann gleitet der Blick sicher noch tiefer – hinein ins Unsichtbare, ins Geheimnis des eigenen Herzens. Dann wird das Träumen zur Berührung mit der spirituellen Kraft der Sehnsucht. Bei all dem wirkt „Die Träumerin“ wohltuend gelassen. Ihre entspannten Gesichtszüge verraten uns: Ihre Suche ist völlig unverkrampft. Es scheint, als wäre sie mit sich und der Welt versöhnt. Hat sie schon gefunden, was sie sucht? Ihr leicht geneigter Kopf lässt diese Vermutung durchaus zu, denn der große Dichter Rainer Maria Rilke beschreibt eine solche Haltung im Augenblick der Gottesbegegnung in einem Gedicht:

„Ich komme aus meinen Schwingen heim,
mit denen ich mich verlor.
Ich war Gesang, und Gott, der Reim,
rauscht noch in meinem Ohr.
Ich werde wieder still und schlicht,
und meine Stimme steht;
es senkte sich mein Angesicht
zu besserem Gebet.“

Für Barlach ist das Träumen ein Zugang zu der von Rilke wunderbar beschriebenen Tiefendimension unseres Lebens. Dieses Türchen selbst im größten Leid im Blick zu behalten, empfiehlt er der Witwe Cassirers mit den schönen Zeilen: „Alles kann versagen und misslingen, aber der Anspruch reinen Gefühls, eines aufrichtigen Herzens auf Ruhe und Gleichgewicht, auf Glück und Frieden ist unverzichtbar.“

 

24. Juni 2018
Text und Fotos: Jeannette Gosteli
Pdf-Datei zum Herunterladen

 

 

 

 



Weitere geistliche Impulse

 

Eine besondere Zeit: die zwölf heiligen Nächte (1/2018)

.

Wir befinden uns gerade inmitten einer besonderen Zeit, die ganz unterschiedliche Namen trägt. Hierzulande spricht man meist von den zwölf heiligen Nächten. Andernorts bezeichnet man die Zeit um den Jahreswechsel auch Rauhnächte, Untertage, Rauchnächte oder Glöckelnächte. Sie ist geprägt von vielen Ritualen, die auf uraltes germanisches und altslawisches Brauchtum zurückgehen. Auch wenn hierbei viel vom weitverbreiteten Aberglauben durchsetzt ist, zeigen diese heidnischen Bräuche in ihrem Kern, dass die Menschen in diesen Tagen viel sensibler sind für die geistliche Dimension des Lebens. Wir wollen diesem Phänomen auf den Grund gehen und dabei Anregungen für unseren geistlichen Weg suchen. Dabei gilt es, wachsam zu sein und gut zwischen Aberglauben und nützlichen spirituellen Zugängen zu unterscheiden.

Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 1: Eintreten in das eigene Innere (2/2018)

Oft empfinden wir die ersten Tage des neuen Jahres als etwas Besonderes – vielleicht spüren wir sogar jenen „Zauber des Anfangs“, von dem Herrmann Hesse in einem Gedicht schreibt. Zumindest dann, wenn wir diese Zeit aufhellen mit unserer stillen Hoffnung, manches möge in der Zukunft besser werden; wenn wir dafür schon erste Ideen haben und ernste Vorsätze fassen. Doch für solch einen Neuanfang genügt es meist nicht, nur ein wenig an den altbekannten Stellschrauben zu drehen. Manchmal müssen die gewohnten Pfade verlassen und ganz neue Wege gesucht werden. Für solch eine Umorientierung steht ein schönes Zeichen: das Labyrinth. Wir wollen uns heute einmal gedanklich in ein solch symbolträchtiges Wegesystem begeben und uns inspirieren lassen, wie unser Leben im neuen Jahr eine andere, eine bessere Richtung erhalten könnte.   Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 2: Der erste schroffe Richtungswechsel (3/2018)

Nachdem wir in der letzten Woche lange am Ausgangspunkt des Hildegard-Labyrinths verweilen konnten, gilt es heute, die ersten Schritte – hinein ins Innere – zu wagen. Wir nehmen uns zunächst nur einen kleinen Abschnitt vor, der vom Eingang bis zur ersten großen Kehre reicht. Denn dort liegt der zweite der insgesamt fünf Keramiksteine, die uns bei dieser zehnteiligen Betrachtung begleiten werden. Diesmal begrüßt uns eine Frauengestalt mit erhobenen Armen. Unübersehbar hält sie uns ein unbeschriebenes Buch hin. Wer mag diese Gestalt sein?

» Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 3: Begegnung mit einem bedenkenswerten Abdruck (4/2018)

Heute schreiten wir den nächsten Abschnitt im Hildegard-Labyrinth ab. Wir ziehen dazu einen großen Bogen, der noch ziemlich weit von der Mitte entfernt ist. Das Knirschen der kleinen Kieselsteine kann die Assoziation wecken, wie mühsam der geistliche Weg sein kann. Der tragende Boden unter den Füßen kann aber genauso gut in Erinnerung rufen, dass wir auf unserer Gottsuche getragen sind. Orientierung geben die rechts- und linksseitigen Pflasterreihen, so dass wir bald den nächsten Stein erreichen. Es ist ein einladender Wendepunkt: eine lebensgroße Hand, die nahezu die gesamte Steinfläche ausfüllt – ein starkes Symbol unseres Menschseins, aber auch unserer Beziehung zu Gott. Ein solches Zeichen am Wegesrand wirft viele Fragen auf.   » Alles lesen


Das Hildegard‐Labyrinth – Teil 4: Auf Gottes Stimme hören (5/2018)

Wenn wir heute im Hildegard‐Labyrinth wieder ein Stück weitergehen, kommen wir nach einigen Kehren der ersehnten Mitte schon ganz nah. Doch kurz vor dem Ziel stoppen wir noch einmal und betrachten den nächsten Keramikstein: einen Posaunen‐Engel, der wie ein Wächter vor dem Eingang der Mitte platziert ist. Er gehört nicht zu der Art jener niedlichen Schutzengelchen, die wenige Meter weiter im Klosterladen angeboten werden. Der Engel auf dem Keramikstein wirkt viel ernster und regt zur Frage an, was er uns Wichtiges mitzuteilen hat. Um das herauszufinden, durchforsten wir wieder die bildlichen Darstellungen, die zu Hildegards Visionen entstanden sind.   » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 5: Ankommen im Eigentlichen (6/2018)

Mit dem heutigen Impuls gelangen wir zur Mitte des Hildegard-Labyrinths. Dabei haben wir – anders als bei den vier vorangegangenen Abschnitten – keine großen Distanzen mehr zu überwinden. Denn diesmal bewegen wir uns bereits im innersten und damit kleinsten Kreis des geistlichen Übungsweges. Am Ende wartet ein besonders großer und schöner Keramikstein auf uns. Sein detailreiches Bildprogramm gehört zu den bekanntesten Motiven, die mit den Visionen Hildegards von Bingen im Zusammenhang stehen. Um die Einzelheiten erkennen zu können, muss sich der Betrachter vor Ort herabbeugen. Auch wir brauchen eine gewisse Annäherung, wenn wir Hildegards visuelle Offenbarungen verstehen wollen.
»  Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 6: …und wieder zurück (7/2018)

.

Manch einer mag verwundert sein, dass unsere Betrachtungen über das Hildegard-Labyrinth fortgeführt werden, obwohl wir letztens schon das eigentliche Ziel, die Mitte, erreicht haben. Und tatsächlich belassen es die meisten Besucher beim Gang durchs Labyrinth beim Hinweg. Die Rückkehr erfolgt dann auf kürzestem Weg – freilich, ohne auf die vorgegebenen Laufbahnen zu achten. Dieser Abkürzungsdrang ist ein Phänomen, das sich heutzutage auch in anderen Bereichen des geistlichen Übens beobachten lässt. Bestes Beispiel ist der Jakobsweg, auf dem nur die wenigsten auch den Weg zurück als Bestandteil des Pilgerns betrachten. Mit unseren nun folgenden fünf Betrachtungen wollen wir das Zurückgehen einmal ganz bewusst gestalten – auch als Inspiration für den Umgang nach Zeiten, in denen uns besonders schöne innere Erfahrungen geschenkt wurden – Zeiten, die sich oft nur schwer in den Alltag hinüberretten lassen.  » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 7: Gott mit den Engeln und der Musik loben (8/2018)

Wenn wir uns von der Mitte des Labyrinths wieder zurückbegeben, kommen wir schon nach zwei, drei Schritten zu dem tönernen und tönenden Engel, der uns schon hinwärts begegnete – damals als wichtiger Helfer auf dem Weg des Erkennens; als Gottes Stimme, die das Gute vom Bösen scheidet. Jetzt aber soll uns ein anderer Aspekt interessieren, der immer wieder in Hildegards Texten auftaucht. Denn der Posaunenengel ist für Hildegard auch der Inbegriff für den himmlischen Klang, der sich nach tiefen geistlichen Erfahrungen einstellt – für Freudentöne, die wir nicht erzwingen, aber in die wir frohen Herzens einstimmen können. Wie sehr uns Engel und ihre Musik auf dem Weg zurück in den Alltag helfen können, darum soll es in der jetzigen Betrachtung gehen.   » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 8: Die Liebe im Alltag (9/2018)

Wieder gilt es, ein weiteres Stück zurückzulegen, um aus dem Hildegard-Labyrinth herauszufinden. Beim letzten Halt am Keramikstein mit dem Posaunenengel sind wir mit den himmlischen Melodien in Berührung gekommen – mit dem Wohlklang, der wohl am schönsten die Freude an dem neu gewonnenen Zugang zu Gott wiederzugeben vermag. Mit dieser Musik im Herzen begegnen wir erneut der „Gestalt der Liebe“, die Hildegard oft und ausführlich in ihren Werken beschreibt und die ganz zu Recht auf einem Keramikstein einen Platz im Labyrinth gefunden hat. Nun, auf dem Weg zurück in den Alltag, wird uns Hildegard einen weiteren Impuls zur Liebe schenken.

» Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 9: Das Leben in die Hand nehmen (10/2018)

Wer der Versuchung widerstehen konnte, den Weg aus dem Hildegard-Labyrinth abzukürzen, steht nun wieder am Keramikstein mit dem Handabdruck. Auf dem Hinweg hatten wir uns an dieser Stelle mit den schönen Gedanken beschäftigt, dass die Handflächen unsere Einzigartigkeit widerspiegeln, aber auch dass wir in Gottes Händen geborgen sind. Nun wollen wir erneut innehalten, denn das Symbol der Hand lässt noch weitere Assoziationen zu. Wir könnten uns zum Beispiel fragen, wie es gelingen kann, das eigene Leben in die Hände zu nehmen. Welchen Gestaltungsspielraum haben wir überhaupt auf dem geistlichen Weg; ist nicht alles schon vorgegeben?

» Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 10: Hinaustreten in die Welt (11/2018)

Nachdem wir – ausgehend vom letzten Halt – noch einmal das Hildegard-Labyrinth nahezu umrundet haben, erreichen wir den Ausgang, d. h. dieselbe Öffnung, die uns auch in das Kreissystem hineingeführt hat. Waren wir beim Eintritt noch aufmerksam auf das erste Wegzeichen, den Keramikstein mit der Taube, so kann er jetzt beim Herausgehen leicht übersehen werden. Doch wir wollen ein letztes Mal stehenbleiben und ganz genau hinsehen – zunächst auf das kleine Kunstwerk am Boden, später aber auch auf den Weg, der hinter uns liegt, und schließlich auf den Raum, der sich nun außerhalb des Labyrinths vor uns ausbreitet.

» Alles lesen


„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 1 (12/2018)      
 

Wenn – so wie in diesem Jahr – nach den ersten wärmeren Tagen noch einmal ein Wintereinbruch kommt, möchten wir Schnee und Kälte am liebsten gleich wieder vertreiben. Denn wir haben uns schon auf den Frühling eingestellt, dessen Zauber sich wohl kaum einer entziehen kann. Auch in unserem geistlichen Impuls wollen wir der Sehnsucht nach der neuen Jahreszeit Raum geben, in dem wir uns mit einem Frühlingsbild befassen. Es bildet zugleich den Anfang eines dreiteiligen Gemäldes, das wir für unser Zugehen auf Ostern nutzen wollen.

» Alles lesen


„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 2 (13/2018)      

Nachdem wir uns ausgiebig mit dem „Werden“ in Segantinis Alpentriptychon befasst haben, wollen wir uns nun das zweite Gemälde vornehmen. Ganz in der Ordnung der Jahreszeiten lässt der Künstler dem Frühlingsbild ein Sommermotiv folgen. Wieder wird das ländliche Leben im Hochgebirge gezeigt; wieder sind Menschen mit ihrem Vieh auf dem Weg nach Hause – diesmal aber an einem anderen Ort: hoch oben auf dem Schafberg bei Pontresina, von wo aus man einen grandiosen Panoramablick Richtung Julierpass hat. Der Landschaftsidylle sind erneut einige beachtenswerte Symboliken eingefügt, die wir in unserem Zugehen auf Ostern bedenken wollen.

» Alles lesen


„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 3 (14/2018)      

Giovanni Segantini bildet in seinem Alpentriptychon den Jahreskreis ab; daher folgt nach Frühling und Sommer ein klassisches Wintermotiv. So selbstverständlich diese Abfolge ist, so irritierend ist doch die Wahl dieser eisigen Stimmung für eine Osterbetrachtung, für die sich eher eine Abbildung von der erwachenden Natur anschicken würde. Doch der Schweizer Landschaftsmaler überrascht erneut mit symbolischen Zeichen, die diesmal vor allem im Kontext mit den beiden vorherigen Bildern zu erschließen sind. So viel sei jetzt schon verraten: Wenn wir sie aufspürt haben, werden wir uneingeschränkt zustimmen können, dass hier mitten im Winter Ostern eingezeichnet ist.

» Alles lesen


Der Zweifel und sein Gesicht in einer Holzplastik bei Ernst Barlach (15/2018)

.

Der Zweifel hat tausend Gesichter. Das wird besonders deutlich, wenn wir im Woxikon nach einem Synonym für diesen Begriff suchen. Denn dann werden uns 22 verschiedene Bedeutungshorizonte zur Auswahl gestellt; sie reichen vom noch harmlosen Bedenken über die Hoffnungslosigkeit bis hin zum Misstrauen und zur Bedrohung. Daher muss es uns nicht verwundern, wenn auch der Glaubenszweifel ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet wird. Manche sehen im Hadern mit den Glaubensaussagen eine Chance, Festgefahrenes wieder in Bewegung zu bringen. Andere halten solche widerstreitenden Stimmen eher als eine gefährliche Anfechtung, der es entschieden die Stirn zu bieten gilt. Eine ganz eigene Sichtweise auf den Glaubenszweifel schenkt uns Ernst Barlach, der berühmte Bildhauer aus Hamburg-Wedel. Seine in Holz geschnitzten Interpretation zum biblischen Text der Begegnung Jesu mit Thomas (vgl. Joh 20, 24-29) kann uns helfen, einen anderen Blick auf die eigenen Zweifel und ihre Folgen zu erhalten.   » Alles lesen


„Herrgottszeichen“ und ihr Auftrag

„Hotspot“ – so nennt man eine Stelle, an der ein kostenloser Internetzugang möglich ist. Der Begriff stammt aus dem Englischen und lässt sich mit „heißer Punkt“ übersetzen. Um solche „Hotspots“ – allerdings im spirituellen Sinn – soll es in dieser Betrachtung gehen. Denn es gibt auch im religiösen Bereich Orte, denen man besondere „Empfangsqualitäten“ zuschreibt – Orte, wo der Mensch besonders sensibel ist für die geistliche Dimension des Lebens. Wir denken hierbei sicher zuerst an die heiligen Stätten des Christentums, an kleinere Wallfahrtsorte und nicht zuletzt an unsere Kirchen. Aber es gibt auch zahlreiche kleine „Hotspots“, die frühere Generationen noch zu schätzen wussten. Gemeint sind die vielen Wegkreuze, Bildstöcke und Kapellchen, denen wir in der heutigen Betrachtung unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Aus gutem Grund.   » Alles lesen


Gebet – Teil 1: Wozu all die Anstrengung?

Wer etwas Außergewöhnliches erleben will, muss oft Strapazen auf sich nehmen. Das kennen wir allzu gut von unseren Urlaubsreisen, z. B. wenn wir auf hohe Berge steigen oder uns in der Stadt hunderte Treppen auf eine Aussichtskuppel hinaufquälen. Im geistlichen Leben ist das nicht viel anders: Auch wenn letztlich der ersehnte Ausblick ein großes Geschenk ist, so bleiben uns gewisse Anstrengungen nicht erspart. Diesen Aspekt wollen wir einmal etwas ausführlicher beim Gebet beleuchten. Wir unternehmen dazu einen Ausflug nach Florenz und sehen uns interessante religiöse Fresken an. Zugleich gehen wir zurück ins Mittelalter – in die Blütezeit der Mönchstheologie –, um auch textliche Inspirationen zu dem Thema zu suchen. Im ersten Teil unserer Betrachtungsreihe soll es um die Frage gehen, ob sich die Anstrengung des Betens überhaupt lohnt – eine oft verborgen gehaltene, aber durchaus berechtigte Frage.    » Alles lesen


Gebet – Teil 2: Von Null auf Hundert, auch beim Beten?

Heutzutage muss vor allem alles schnell gehen, deswegen drücken wir oft aufs Tempo. Der Wunsch, zügig voranzukommen, könnte vielleicht auch nach dem ersten Teil unserer Betrachtungsreihe über das Gebet aufgekommen sein. Denn wer möchte nicht recht bald die Freude verspüren, die uns als Ziel des Betens verheißen wurde. Doch wir müssen zugeben: Die Erfahrung ist meistens eine andere: Gebet wird eher als Last empfunden – als eine Pflicht, der wir vielleicht noch nachkommen, aber ohne die erwähnte Beglückung zu empfinden. Deswegen wollen wir an dem Thema dranbleiben und der Frage nachgehen, wie wir uns tatsächlich beim Beten dieser zugesagten Freude annähern können. Wieder werden wir dazu die Fresken von Fra Angelico betrachten und wieder wird uns Bernhard von Clairvaux mit seinen geistlichen Texten begleiten.    » Alles lesen


Gebet – Teil 3: Gebet als Begegnung mit Folgen

Wenn heutzutage Astronomen neue Galaxien finden, dann können sie diese selbst mit Hochleistungsteleskopen meistens gar nicht sehen, sondern lediglich an ihrer Wirkung erkennen, konkret an ihrer Anziehungskraft auf andere Himmelskörper. Ganz ähnlich ist es im Gebetsleben. Deswegen wollen wir uns im dritten und vorläufig letzten Teil unserer Betrachtung über das Gebet vor allem mit dessen Wirkungen befassen. Wir begeben uns dazu erneut in das einstige Dominikanerkloster San Marco in Florenz und suchen dazu passende geistliche Texte, die Bernhard von Clair-vaux, der große spirituelle Meister, seinen Mönchen und auch uns ans Herz legt.

» Alles lesen


Der hl. Johannes Nepomuk – ein Heiliger mit fünf bemerkenswerten Wesenszügen

Wenn ein Mensch gestorben ist, der uns sehr nahestand, stellen wir meistens ein Foto von ihm auf. Ein solches Bild wird in aller Regel jene Wesenszüge zeigen, die wir an dem geliebten Menschen besonders geschätzt haben. Ganz ähnlich ist das auch bei der Darstellung von Heiligen – allen voran beim hl. Johannes von Nepomuk, oft nur kurz „Nepomuk“ genannt. Weil sich der böhmische Landespatron in der Bevölkerung einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut, existieren unzählige Andachtsbilder, Gemälde und Skulpturen von ihm. Anlässlich seines Gedenktages am 16. Mai wollen wir fünf Darstellungen ein wenig näher betrachten und dabei vor allem auf solche Gesten achten, die uns zum Nachdenken über das eigene geistliche Leben anregen können.   » Alles lesen


Königin Ester – Teil 1: Der unsichtbare Gegenspieler

In diesem Jahr liegen zwei für das geistliche Leben bedeutsame Daten nahe beieinander: das Pfingstfest und vier Tage später der Gedenktag Esters, von der uns das gleichnamige Buch aus dem Alten Testament erzählt. Wir wollen diese zeitliche Nähe nutzen, um eine interessante Gemeinsamkeit der beiden biblisch bezeugten Ereignisse aufzuspüren. Diese Erkundung, die wir in drei Etappen aufteilen wollen, wird uns zugleich die Augen öffnen, welch schöner Edelstein das Buch Ester in der Heiligen Schrift ist und welche Ideenfülle es für geistliche Betrachtungen bereithält.

» Alles lesen


Königin Ester – Teil 2: Gottes Wirken bei menschlicher Ohnmacht

Bei der letzten Betrachtung entdeckten wir gemeinsam, dass das Buch Ester nicht nur eine spannende Geschichte von der Errettung des jüdischen Volkes erzählt, die einer gleichermaßen klugen wie mutigen Frau zu verdanken ist. Wir erkannten auch, dass es vor allem Gott, der unsichtbare Gegenspieler des persischen Herrschers Ahasveros, ist, der die Geschichte des jüdischen Volkes und seiner zwei Protagonisten lenkt und somit zu einem guten Ende führt. Doch mit dieser Erkenntnis drängt sich die Frage auf, was nun wirklich zählt: menschliches Handeln oder Gottes Wirken. Und wenn Letzteres gilt, was wir Gläubigen natürlich annehmen dürfen, so bleibt zu hinterfragen, wie das gelingen kann. Wie kann der unsichtbare Gott in das vorgezeichnete Schicksal eines Volkes eingreifen?   » Alles lesen


Königin Ester – Teil 3: Denkanstöße für das geistliche Leben

„Alles erfunden!“ – Das glauben nahezu alle Bibelkommentatoren, wenn sie über das Buch Ester nachdenken. Und tatsächlich lassen sich in den Texten etliche Ungereimtheiten finden, die an der Historizität der biblischen Erzählung zweifeln lassen. Ebenso gibt zu denken, dass sich in geschichtlichen Quellen nichts über die dramatischen Begebenheiten um Ester und Mordechai finden lässt. Und so interpretiert man die Ester-Geschichte gern als generelle Erfahrung des jüdischen Volkes, in latenter Gefahr zu leben, aber auch immer wieder durch Gottes unverbrüchliche Treue gerettet zu werden. In unserer dritten und letzten Betrachtung zum Buch Ester wollen wir noch einen Schritt weitergehen und die einst für Juden gedachte Botschaft auf uns und unseren geistlichen Weg beziehen. Wir werden erstaunt sein, wie viele Denkanstöße darin verborgen sind.   » Alles lesen


Ernst Barlachs „Fries der Lauschenden“ – Teil 1: Hinführung

.

Was macht ein gutes Denkmal aus? Diese Frage stellen sich Auftraggeber, Künstler und Juroren beispielsweise immer dann, wenn es gilt, eine neue Skulptur für eine berühmte Person zu erschaffen – so wie 1926, als der Magistrat der Stadt Berlin kurz vor Beethovens 100. Todestag einen Wettbewerb für ein neues Ehrenmal ausruft. Einer der acht angefragten Bildhauer ist Ernst Barlach. Der 1870 in Hamburg-Wedel geborene Bildhauer antwortet auf die eingangs gestellte Frage mit einem ungewöhnlichen Entwurf … und scheitert. Und doch entsteht aus der geschmähten Idee wenige Jahre später etwas Großes: neun anmutige Holzgestalten, die unter dem Namen „Fries der Lauschenden“ in die Kunstgeschichte eingehen. Diese Figuren werden uns in der kommenden Betrachtungsreihe beschäftigen – als Botschafter für die Wirkkraft der Musik, aber noch mehr als Sinnbilder für eine wichtige Dimension des geistlichen Lebens.
» Alles lesen


Ernst Barlachs „Fries der Lauschenden“ – Teil 2: „Der Wanderer“

Abschalten, der Seele Gutes tun, unvergessliche Momente einfangen – so oder so ähnlich dürften die Untertitel vieler selbst erwählter Urlaubsziele lauten. Und nicht selten staunen wir, dass sich diese Wünsche vor allem dann erfüllen, wenn wir einfach nur da sind: im Liegestuhl, das blaue Meer vor Augen; auf einem Berggipfel mit atemberaubendem Weitblick; ja selbst im Garten, umgeben von Vogelgezwitscher und Blütenzauber. Dieses „Nichts-als-Dasein“ ist auch für Ernst Barlach ein Faszinosum, bei dem ihm mitunter „etwas Unbegreifliches, Größeres“ aufgeht. Zeitlebens spürt er solchen Zuständen bei sich und seinen Mitmenschen nach. Und er hat die Gabe, sie auf geniale Weise mit seinen Künstlerhänden festzuhalten. Der „Fries der Lauschenden“ gehört zu diesen beeindruckenden Zeugnissen seines Schaffens. Wie angekündigt wollen wir uns nun jeder Figur, jedem Lauschendem einzeln zuwenden.   » Alles lesen


Ernst Barlachs „Fries der Lauschenden“ – Teil 3: „Die Träumende“

„Wenn ich einmal reich wär …“ – keiner singt den Traum vom großen Geld so sympathisch wie der Milchmann Tevje in dem berühmten Musical „Anatevka“. Sympathisch ist uns der arme Jude, weil er offen ausspricht, was sich oft nur heimlich in unserem Herzen regt: der Wunsch, dem eigenen Lebensglück ein Stück näher zu kommen. Tevje sehnt sich vor allem nach einem schönen Haus, das ihm sicher mehr Beachtung und Anerkennung einbringen würde. Auch Ernst Barlach ist der Traum von mehr finanziellem Spielraum nicht fremd. Oft muss er Jahre warten, bis sich ein Auftraggeber findet, damit er seine künstlerischen Ideen auch umsetzen kann – wie beim „Fries der Lauschenden“. Ist das auch der Grund, warum seine Figurenserie mit der „Träumerin“ beginnt?   » Alles lesen


 

 

Geistliche Impulse 2017


Geistliche Impulse 2016

 

Geistliche Impulse 2015