Geistliche Impulse

Wöchentliche Gedanken, Anregungen oder Übungen für die Praxis christlicher Spiritualität


 

 

„Herrgottszeichen“ und ihr Auftrag

 

„Hotspot“ – so nennt man eine Stelle, an der ein kostenloser Internetzugang möglich ist. Der Begriff stammt aus dem Englischen und lässt sich mit „heißer Punkt“ übersetzen. Um solche „Hotspots“ – allerdings im spirituellen Sinn – soll es in dieser Betrachtung gehen. Denn es gibt auch im religiösen Bereich Orte, denen man besondere „Empfangsqualitäten“ zuschreibt – Orte, wo der Mensch besonders sensibel ist für die geistliche Dimension des Lebens. Wir denken hierbei sicher zuerst an die heiligen Stätten des Christentums, an kleinere Wallfahrtsorte und nicht zuletzt an unsere Kirchen. Aber es gibt auch zahlreiche kleine „Hotspots“, die frühere Generationen noch zu schätzen wussten. Gemeint sind die vielen Wegkreuze, Bildstöcke und Kapellchen, denen wir in der heutigen Betrachtung unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Aus gutem Grund.

 

Beeindruckendes und vielfältiges Erbe

In Zeiten, in denen das Lebens- und Arbeitsumfeld vor allem von Schnellstraßen und Bürowänden geprägt ist, stehen die in der Landschaft verstreuten Kleindenkmale in Gefahr, übersehen oder gar ganz vergessen zu werden. Doch einmal darauf aufmerksam gemacht, werden wir immer wieder solche Glaubenszeugnisse entdecken – vor allem wenn wir als Wanderer in unserem böhmischen Nachbarland oder im Sorbischen unterwegs sind. Für frühere Generationen war es selbstverständlich, sich auch im Alltag des Beistandes Gottes zu versichern. Dazu richteten sie nicht nur in den Häusern besondere Stellen, sogenannte „Herrgottswinkel“ ein; sie versahen auch ihre täglichen Wege mit solchen kleinen „Denkzetteln“, die nicht nur an das Innehalten und Beten erinnern sollten, sondern auch im Sinne der eingangs erwähnten „Hotspots“ besondere Zugangsorte darstellten. Deswegen wurden sie auch von einer an die nächste Generation weitergegeben und liebevoll gepflegt. In den letzten Jahrzehnten ging allerdings diese Tradition immer mehr zurück. Und so ist es vielleicht eine Anregung, dieses alte Erbe wieder zu entdecken und „in Besitz zu nehmen“.

 

Von links nach rechts: Steinkreuz bei Kamnitzleiten/Kamenická Stráň, hölzernes Wegkreuz bei Schmeckwitz, Kapellenbildstock bei Tuhan bei Dauba/Tuhaň u Dubé, Tabernakelbildstock in Ralbitz, Pestsäule in Deutsch-Gabel/Jablonné v Podještědí

Neben dieser geschichtlichen Dimension beeindruckt auch die Vielfalt, die sich bei diesen Kleindenkmalen im Laufe von vier Jahrhunderten entwickelt hat. Die Bandbreite reicht vom schlichten Holz- oder Steinkreuz über den reich verzierten Bildstock bis zur kunstvollen Komposition mancher Pestsäule. Immer wieder sind Denkmalschützer bemüht, diese Mannigfaltigkeit in eine sinnvolle Systematik zu fassen – und scheitern daran. All das, was sich das einfache Volk oder die geschickten Handwerkskünstler an Formen, Verzierungen oder Aufstellungsorten ausgedacht haben, ist schlichtweg zu mannigfaltig, als dass eine überschaubare Ordnung zu finden wäre. Wir wollen uns daher nicht weiter bei dieser mühsamen Aufgabe aufhalten, sondern uns vielmehr den Anlässen widmen, die seinerzeit zur Aufstellung des Kleindenkmals geführt haben.

 

Sitz im Leben

Bildtafel bei Hemmehübel/Kopec

In Österreich nennt man die kleinen sakralen Bauten in Feld und Flur liebevoll „Herrgottszeichen“. Dieser Begriff geht – mehr als die offizielle Bezeichnung „Kleindenkmale“ – ans Herz und macht vor allem deutlich, worauf es hierbei wirklich ankommt: auf die Zeichen Gottes. Und so ist es kein Wunder, dass vor allem besondere Erinnerungsorte mit kleinen
oder größeren Markierungen versehen wurden. Ganz in der Nachbarschaft, im tschechischen Zeidlertal bei Hemmehübel/Kopec, kam zum Beispiel am 11.9.1812 die Müllerstochter Maria Anna Zimmer ums Leben. Eine hölzerne Bildtafel am Unglücksort erinnert noch heute an das Geschehen. Doch anders als die heutigen Todeskreuze an den Straßen öffnet das Bildprogramm einen viel weiteren Raum. Es geht nicht nur um einen Ort der Trauer für die Angehörigen; es geht um eine Einladung, am Leid anderer Anteil zu nehmen. Mehr noch: Mit der Abbildung des betenden Mädchens unter dem Gekreuzigten werden Vorübergehende erinnert, wie schnell wir das Liebste verlieren können, aber auch, dass der Tod für uns Christen nicht das Letzte ist.

Nicht immer waren die Anlässe so dramatisch wie in Hemmehübel, die Menschen bewogen, ein „Herrgottszeichen“ aufzustellen. Oft sind sie einfach nur da, um innezuhalten – sei es während der Feldarbeit oder auf dem oft langen Weg zur Kirche. Wir können uns gut vorstellen, wie man sich an solchen Plätzen von den Anstrengungen erholte, zugleich aber an Gott dachte, vielleicht auch zu ihm sprach. Vermutlich fiel es früher leichter, sich die Abbildungen und noch mehr die plastischen Figuren viel „lebendiger“ vorzustellen, so dass ein wirkliches Gespräch zustande kommen konnte – sei es, um Gott zu bitten, mögliches Unheil abzuwenden, oder einfach nur für das geschenkte Leben zu danken. Manchmal genügte auch schon ein kurzer Gruß – das Lüften des Huts, eine kleine Verneigung oder eine sanfte Berührung –, um sich Gott zu vergegenwärtigen.

Es fällt auf, dass wir bei den Wegzeichen am häufigsten Motive vorfinden, die an das Leiden Christi oder seine Auferstehung erinnern. Das liegt sicher an der beabsichtigten Mahnung, das Leben christlich zu gestalten. Das heißt, nicht auf den momentanen Vorteil bedacht zu sein, sondern den Lebensweg als großen Heilungsprozess zu verstehen. Dieses Grundanliegen belegen auch alte Gerichtsakten, die das Aufstellen von sogenannten Sühnekreuzen festhalten. So musste beispielsweise ein Täter ein Steinkreuz meißeln – nicht nur um Buße zu tun, sondern auch um eine für jedermann zugängliche Stelle zu schaffen, für das Heil des Opfers, aber auch für das des Täters zu beten.

Es ist erfreulich, dass sich in unseren Tagen immer mehr Menschen für den Erhalt der schönen Kleindenkmale einsetzen. In Nordböhmen haben sich dazu sogar mehrere Vereine gegründet, die emsig Fördermittel oder Spenden besorgen. Berührend ist es vor allem, wenn nicht nur das Bauwerk wieder in Ordnung kommt, sondern auch Blumen oder Kerzen von einem wieder lieb gewonnenen Gebetsort zeugen.

 

Felsenbild bei Herrnskretschen/Hřensko

Tipp: Busexkursion zu Kleindenkmalen in der Böhmischen Schweiz

Wer einmal ganz gezielt solche Glaubenszeichen aufsuchen möchte und dabei auch die Gebetsgemeinschaft schätzt, ist herzlich zu einem Ausflug in die Böhmische Schweiz eingeladen. Der Pilgerhäuslverein aus Hirschfelde stellt sich in den gleichermaßen schönen wie notwendigen Dienst, diese geführte Exkursion am 16. Juni 2018 zu organisieren. Gemeinsam werden rund 20 Wegkreuze, Bildstöcke bzw. Felsenbilder aufgesucht. Gestartet wird 8.00 Uhr am Zittauer Bahnhof. Die Rückkehr ist für 17 Uhr geplant. Es besteht die Möglichkeit der Einkehr zu Mittag auf eigene Kosten. Für den Bus sind 20 € pro Person zu entrichten.

Wir wollen uns von den einstigen Geschichten und Botschaften ansprechen lassen; sie verbinden uns nicht nur mit der Vergangenheit, sie verweisen auch auf die Zukunft. Denn wie schon bei unseren Altvordern ist unser geistlicher Weg auf das Gespräch mit Gott angewiesen. Kleine Andachten sollen an die ursprüngliche Intention der oft kunstvoll gestalteten Glaubenszeichen heranführen – als Ort des Innehaltens und des Zwiegesprächs mit Gott; als Gelegenheit, die eigene Empfänglichkeit für Gottes Anruf zu schulen; als „Hotspot“ für das eigene Glaubensleben.

15. April 2018
Text und Fotos: Jeannette Gosteli

 

 

 

 



Weitere geistliche Impulse

 

Eine besondere Zeit: die zwölf heiligen Nächte (1/2018)

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Wir befinden uns gerade inmitten einer besonderen Zeit, die ganz unterschiedliche Namen trägt. Hierzulande spricht man meist von den zwölf heiligen Nächten. Andernorts bezeichnet man die Zeit um den Jahreswechsel auch Rauhnächte, Untertage, Rauchnächte oder Glöckelnächte. Sie ist geprägt von vielen Ritualen, die auf uraltes germanisches und altslawisches Brauchtum zurückgehen. Auch wenn hierbei viel vom weitverbreiteten Aberglauben durchsetzt ist, zeigen diese heidnischen Bräuche in ihrem Kern, dass die Menschen in diesen Tagen viel sensibler sind für die geistliche Dimension des Lebens. Wir wollen diesem Phänomen auf den Grund gehen und dabei Anregungen für unseren geistlichen Weg suchen. Dabei gilt es, wachsam zu sein und gut zwischen Aberglauben und nützlichen spirituellen Zugängen zu unterscheiden.

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Das Hildegard-Labyrinth – Teil 1: Eintreten in das eigene Innere (2/2018)

Oft empfinden wir die ersten Tage des neuen Jahres als etwas Besonderes – vielleicht spüren wir sogar jenen „Zauber des Anfangs“, von dem Herrmann Hesse in einem Gedicht schreibt. Zumindest dann, wenn wir diese Zeit aufhellen mit unserer stillen Hoffnung, manches möge in der Zukunft besser werden; wenn wir dafür schon erste Ideen haben und ernste Vorsätze fassen. Doch für solch einen Neuanfang genügt es meist nicht, nur ein wenig an den altbekannten Stellschrauben zu drehen. Manchmal müssen die gewohnten Pfade verlassen und ganz neue Wege gesucht werden. Für solch eine Umorientierung steht ein schönes Zeichen: das Labyrinth. Wir wollen uns heute einmal gedanklich in ein solch symbolträchtiges Wegesystem begeben und uns inspirieren lassen, wie unser Leben im neuen Jahr eine andere, eine bessere Richtung erhalten könnte.   Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 2: Der erste schroffe Richtungswechsel (3/2018)

Nachdem wir in der letzten Woche lange am Ausgangspunkt des Hildegard-Labyrinths verweilen konnten, gilt es heute, die ersten Schritte – hinein ins Innere – zu wagen. Wir nehmen uns zunächst nur einen kleinen Abschnitt vor, der vom Eingang bis zur ersten großen Kehre reicht. Denn dort liegt der zweite der insgesamt fünf Keramiksteine, die uns bei dieser zehnteiligen Betrachtung begleiten werden. Diesmal begrüßt uns eine Frauengestalt mit erhobenen Armen. Unübersehbar hält sie uns ein unbeschriebenes Buch hin. Wer mag diese Gestalt sein?

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Das Hildegard-Labyrinth – Teil 3: Begegnung mit einem bedenkenswerten Abdruck (4/2018)

Heute schreiten wir den nächsten Abschnitt im Hildegard-Labyrinth ab. Wir ziehen dazu einen großen Bogen, der noch ziemlich weit von der Mitte entfernt ist. Das Knirschen der kleinen Kieselsteine kann die Assoziation wecken, wie mühsam der geistliche Weg sein kann. Der tragende Boden unter den Füßen kann aber genauso gut in Erinnerung rufen, dass wir auf unserer Gottsuche getragen sind. Orientierung geben die rechts- und linksseitigen Pflasterreihen, so dass wir bald den nächsten Stein erreichen. Es ist ein einladender Wendepunkt: eine lebensgroße Hand, die nahezu die gesamte Steinfläche ausfüllt – ein starkes Symbol unseres Menschseins, aber auch unserer Beziehung zu Gott. Ein solches Zeichen am Wegesrand wirft viele Fragen auf.   » Alles lesen


Das Hildegard‐Labyrinth – Teil 4: Auf Gottes Stimme hören (5/2018)

Wenn wir heute im Hildegard‐Labyrinth wieder ein Stück weitergehen, kommen wir nach einigen Kehren der ersehnten Mitte schon ganz nah. Doch kurz vor dem Ziel stoppen wir noch einmal und betrachten den nächsten Keramikstein: einen Posaunen‐Engel, der wie ein Wächter vor dem Eingang der Mitte platziert ist. Er gehört nicht zu der Art jener niedlichen Schutzengelchen, die wenige Meter weiter im Klosterladen angeboten werden. Der Engel auf dem Keramikstein wirkt viel ernster und regt zur Frage an, was er uns Wichtiges mitzuteilen hat. Um das herauszufinden, durchforsten wir wieder die bildlichen Darstellungen, die zu Hildegards Visionen entstanden sind.   » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 5: Ankommen im Eigentlichen (6/2018)

Mit dem heutigen Impuls gelangen wir zur Mitte des Hildegard-Labyrinths. Dabei haben wir – anders als bei den vier vorangegangenen Abschnitten – keine großen Distanzen mehr zu überwinden. Denn diesmal bewegen wir uns bereits im innersten und damit kleinsten Kreis des geistlichen Übungsweges. Am Ende wartet ein besonders großer und schöner Keramikstein auf uns. Sein detailreiches Bildprogramm gehört zu den bekanntesten Motiven, die mit den Visionen Hildegards von Bingen im Zusammenhang stehen. Um die Einzelheiten erkennen zu können, muss sich der Betrachter vor Ort herabbeugen. Auch wir brauchen eine gewisse Annäherung, wenn wir Hildegards visuelle Offenbarungen verstehen wollen.
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Das Hildegard-Labyrinth – Teil 6: …und wieder zurück (7/2018)

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Manch einer mag verwundert sein, dass unsere Betrachtungen über das Hildegard-Labyrinth fortgeführt werden, obwohl wir letztens schon das eigentliche Ziel, die Mitte, erreicht haben. Und tatsächlich belassen es die meisten Besucher beim Gang durchs Labyrinth beim Hinweg. Die Rückkehr erfolgt dann auf kürzestem Weg – freilich, ohne auf die vorgegebenen Laufbahnen zu achten. Dieser Abkürzungsdrang ist ein Phänomen, das sich heutzutage auch in anderen Bereichen des geistlichen Übens beobachten lässt. Bestes Beispiel ist der Jakobsweg, auf dem nur die wenigsten auch den Weg zurück als Bestandteil des Pilgerns betrachten. Mit unseren nun folgenden fünf Betrachtungen wollen wir das Zurückgehen einmal ganz bewusst gestalten – auch als Inspiration für den Umgang nach Zeiten, in denen uns besonders schöne innere Erfahrungen geschenkt wurden – Zeiten, die sich oft nur schwer in den Alltag hinüberretten lassen.  » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 7: Gott mit den Engeln und der Musik loben (8/2018)

Wenn wir uns von der Mitte des Labyrinths wieder zurückbegeben, kommen wir schon nach zwei, drei Schritten zu dem tönernen und tönenden Engel, der uns schon hinwärts begegnete – damals als wichtiger Helfer auf dem Weg des Erkennens; als Gottes Stimme, die das Gute vom Bösen scheidet. Jetzt aber soll uns ein anderer Aspekt interessieren, der immer wieder in Hildegards Texten auftaucht. Denn der Posaunenengel ist für Hildegard auch der Inbegriff für den himmlischen Klang, der sich nach tiefen geistlichen Erfahrungen einstellt – für Freudentöne, die wir nicht erzwingen, aber in die wir frohen Herzens einstimmen können. Wie sehr uns Engel und ihre Musik auf dem Weg zurück in den Alltag helfen können, darum soll es in der jetzigen Betrachtung gehen.   » Alles lesen


Das Hildegard-Labyrinth – Teil 8: Die Liebe im Alltag (9/2018)

Wieder gilt es, ein weiteres Stück zurückzulegen, um aus dem Hildegard-Labyrinth herauszufinden. Beim letzten Halt am Keramikstein mit dem Posaunenengel sind wir mit den himmlischen Melodien in Berührung gekommen – mit dem Wohlklang, der wohl am schönsten die Freude an dem neu gewonnenen Zugang zu Gott wiederzugeben vermag. Mit dieser Musik im Herzen begegnen wir erneut der „Gestalt der Liebe“, die Hildegard oft und ausführlich in ihren Werken beschreibt und die ganz zu Recht auf einem Keramikstein einen Platz im Labyrinth gefunden hat. Nun, auf dem Weg zurück in den Alltag, wird uns Hildegard einen weiteren Impuls zur Liebe schenken.

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Das Hildegard-Labyrinth – Teil 9: Das Leben in die Hand nehmen (10/2018)

Wer der Versuchung widerstehen konnte, den Weg aus dem Hildegard-Labyrinth abzukürzen, steht nun wieder am Keramikstein mit dem Handabdruck. Auf dem Hinweg hatten wir uns an dieser Stelle mit den schönen Gedanken beschäftigt, dass die Handflächen unsere Einzigartigkeit widerspiegeln, aber auch dass wir in Gottes Händen geborgen sind. Nun wollen wir erneut innehalten, denn das Symbol der Hand lässt noch weitere Assoziationen zu. Wir könnten uns zum Beispiel fragen, wie es gelingen kann, das eigene Leben in die Hände zu nehmen. Welchen Gestaltungsspielraum haben wir überhaupt auf dem geistlichen Weg; ist nicht alles schon vorgegeben?

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Das Hildegard-Labyrinth – Teil 10: Hinaustreten in die Welt (11/2018)

Nachdem wir – ausgehend vom letzten Halt – noch einmal das Hildegard-Labyrinth nahezu umrundet haben, erreichen wir den Ausgang, d. h. dieselbe Öffnung, die uns auch in das Kreissystem hineingeführt hat. Waren wir beim Eintritt noch aufmerksam auf das erste Wegzeichen, den Keramikstein mit der Taube, so kann er jetzt beim Herausgehen leicht übersehen werden. Doch wir wollen ein letztes Mal stehenbleiben und ganz genau hinsehen – zunächst auf das kleine Kunstwerk am Boden, später aber auch auf den Weg, der hinter uns liegt, und schließlich auf den Raum, der sich nun außerhalb des Labyrinths vor uns ausbreitet.

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„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 1 (12/2018)      
 

Wenn – so wie in diesem Jahr – nach den ersten wärmeren Tagen noch einmal ein Wintereinbruch kommt, möchten wir Schnee und Kälte am liebsten gleich wieder vertreiben. Denn wir haben uns schon auf den Frühling eingestellt, dessen Zauber sich wohl kaum einer entziehen kann. Auch in unserem geistlichen Impuls wollen wir der Sehnsucht nach der neuen Jahreszeit Raum geben, in dem wir uns mit einem Frühlingsbild befassen. Es bildet zugleich den Anfang eines dreiteiligen Gemäldes, das wir für unser Zugehen auf Ostern nutzen wollen.

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„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 2 (13/2018)      

Nachdem wir uns ausgiebig mit dem „Werden“ in Segantinis Alpentriptychon befasst haben, wollen wir uns nun das zweite Gemälde vornehmen. Ganz in der Ordnung der Jahreszeiten lässt der Künstler dem Frühlingsbild ein Sommermotiv folgen. Wieder wird das ländliche Leben im Hochgebirge gezeigt; wieder sind Menschen mit ihrem Vieh auf dem Weg nach Hause – diesmal aber an einem anderen Ort: hoch oben auf dem Schafberg bei Pontresina, von wo aus man einen grandiosen Panoramablick Richtung Julierpass hat. Der Landschaftsidylle sind erneut einige beachtenswerte Symboliken eingefügt, die wir in unserem Zugehen auf Ostern bedenken wollen.

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„Werden – Sein – Vergehen“ –
das dreiteilige Gemälde von Giovanni Segantini als Osterweg/Teil 3 (14/2018)      

Giovanni Segantini bildet in seinem Alpentriptychon den Jahreskreis ab; daher folgt nach Frühling und Sommer ein klassisches Wintermotiv. So selbstverständlich diese Abfolge ist, so irritierend ist doch die Wahl dieser eisigen Stimmung für eine Osterbetrachtung, für die sich eher eine Abbildung von der erwachenden Natur anschicken würde. Doch der Schweizer Landschaftsmaler überrascht erneut mit symbolischen Zeichen, die diesmal vor allem im Kontext mit den beiden vorherigen Bildern zu erschließen sind. So viel sei jetzt schon verraten: Wenn wir sie aufspürt haben, werden wir uneingeschränkt zustimmen können, dass hier mitten im Winter Ostern eingezeichnet ist.

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Der Zweifel und sein Gesicht in einer Holzplastik bei Ernst Barlach (15/2018)

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Der Zweifel hat tausend Gesichter. Das wird besonders deutlich, wenn wir im Woxikon nach einem Synonym für diesen Begriff suchen. Denn dann werden uns 22 verschiedene Bedeutungshorizonte zur Auswahl gestellt; sie reichen vom noch harmlosen Bedenken über die Hoffnungslosigkeit bis hin zum Misstrauen und zur Bedrohung. Daher muss es uns nicht verwundern, wenn auch der Glaubenszweifel ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet wird. Manche sehen im Hadern mit den Glaubensaussagen eine Chance, Festgefahrenes wieder in Bewegung zu bringen. Andere halten solche widerstreitenden Stimmen eher als eine gefährliche Anfechtung, der es entschieden die Stirn zu bieten gilt. Eine ganz eigene Sichtweise auf den Glaubenszweifel schenkt uns Ernst Barlach, der berühmte Bildhauer aus Hamburg-Wedel. Seine in Holz geschnitzten Interpretation zum biblischen Text der Begegnung Jesu mit Thomas (vgl. Joh 20, 24-29) kann uns helfen, einen anderen Blick auf die eigenen Zweifel und ihre Folgen zu erhalten.   » Alles lesen


 

 

 

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