Geistlicher Impuls für die Woche 30/2017

Geschwisterlich leben – die Botschaft des franziskanischen Sonnengesangs

Wenn Lebensstätten von bedeutenden Personen mit einem thematischen Weg erschlossen werden, stehen die Initiatoren meistens vor einer kaum zu lösenden Aufgabe. Einerseits sollen die einzelnen Wirkungsorte möglichst chronologisch aneinandergereiht werden, andererseits ist auch eine Route zu finden, die zum Nachgehen einlädt und daher keine allzu große Zick-Zack-Linie bildet. Oft geht dann die Lösung zu Lasten der korrekten zeitlichen Abfolge – so auch beim Franziskusweg, der den Spuren des hl. Franz von Assisi folgt. Dieser vor 15 Jahren eingerichtete Pilgerweg beginnt auf La Verna – einem Berg in Nordumbrien, den Franziskus erst zwei Jahre vor seinem Tod aufsucht. Von seinen Gefährten wissen wir, dass er hier in einer Vision die Wundmale Christi empfängt – ein mit dem Verstand kaum zu fassendes Ereignis. Alles lesen


 

Geistlicher Impuls für Woche 29/2017

Bonaventura und das Üben der Betrachtung

Der Mensch benötigt lediglich 150 Millisekunden, um einen Gegenstand visuell wahrzunehmen. Diese erstaunliche Fähigkeit des Gehirns hat die Natur so eingerichtet, um z. B. bei Lebensgefahr blitzschnell reagieren zu können. Doch was eigentlich für Ausnahmesituationen angelegt ist, wird heutzutage zum Dauerzustand. Die Technisierung unserer Umwelt bringt es mit sich, immer mehr in immer weniger Zeit erfassen zu wollen. Wir brauchen nur an die Werbung im Fernsehen zu denken, die uns mit einer rasanten Bildabfolge zu beeinflussen versucht. Doch die Vielzahl der Eindrücke bewirkt letztlich, dass wir die Welt nur noch oberflächlich wahrnehmen. Es fällt uns schwer, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Dabei ist das ruhige Betrachten ein wichtiger Zugang für das Erkennen – Grund genug, uns einmal etwas eingehender mit dem Üben der Betrachtung zu befassen.   Alles lesen


 

Geistlicher Impuls für die Woche 28/2017

Entfremdung – die ins Wort gefasste Erfahrung des Schriftstellers Franz Kafka

Wer schon öfters in Prag war, wird feststellen: Mit dieser Stadt kommt man zeitlebens nicht zum Ende; immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Wir wollen diesmal unsere Entdeckungen nicht dem Zufall überlassen, sondern uns ganz zielgerichtet in die Goldene Stadt an der Moldau begeben – auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Schriftsteller, auf der Suche nach Franz Kafka. Vor einhundert Jahren hätten wir den gebürtigen Prager noch persönlich in einem der vielen Cafés der Neustadt treffen können. Heute – 93 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod – müssen wir uns mit zurückgebliebenen Gebäuden und neu hergerichteten Ausstellungen und Denkmalen in Prag begnügen. Es sei gleich vorweggenommen: Franz Kafka ist kein Klassiker der geistlichen Tradition; in den Bücherregalen sind seine Werke nicht unter der Rubrik „Spiritualität“ zu finden. Der jüdische Intellektuelle hat sich nie explizit zu Gottesfragen geäußert. Und trotzdem können wir uns von Franz Kafka eine Inspiration für unser geistliches Leben erhoffen, denn er beschäftigte sich wie kaum kein Zweiter mit einem wichtigen Thema: mit der Entfremdung. Alles lesen


 

Geistlicher Impuls für die Woche 27/2017

Halbzeit: in der Mitte des Jahres

Viele werden es beklagen: Die Tage werden wieder kürzer! Die großen Lagerfeuer, die in vielen Orten zur Sommersonnenwende loderten, waren dafür ein untrügliches Zeichen. Wer die langen Abende in der warmen Jahreszeit liebt, wird dem Mittsommer wehmütig begegnen. Aber auch die Schaffensfreudigen klagen nicht selten, dass mit dem Juni schon wieder ein halbes Jahr vorbei ist. Wer exakt nachrechnet, kommt auf den 2. Juli. Dann ist hinsichtlich der Anzahl der Kalendertage die Mitte des Jahres erreicht. Wir wollen diese Wendezeit zum Anlass nehmen, kurz innezuhalten. Freilich geht es bei unserem geistlichen Impuls nicht um Länge oder Anzahl von Tagen, sondern um die alles entscheidende Aufgabe, unser Leben und auch das einzelne Lebensjahr unter dem Vorzeichen des christlichen Glaubens zu gestalten. Wie wir dabei die Mitte des Jahres nutzen können, lässt sich durchaus von den Gepflogenheiten des Alltags lernen. Schauen wir uns dazu zwei Beispiele an. Alles lesen


 

Geistlicher Impuls für die Woche 26/2017

Der zweifache Sprung im Leben des Simon Petrus

Wer den kleinen Ort Schemmel (Všemily) in der Böhmischen Schweiz besucht, tut dies meistens mit der Absicht, die kleine Kapelle zu besuchen, die zu Ehren des hl. Ignatius von Loyola in einen freistehenden Felsen gemeißelt wurde. Auch die hübschen Umgebindehäuser – allen voran die alte Schule mit ihrem niedlichen Glockentürmchen – locken jedes Jahr etliche Ausflügler an. Es gibt noch eine dritte Attraktion, die viel weniger bekannt ist und gute Ortskenntnis erfordert: das sogenannte Schemmel-Kreuz – ein aus dem 19. Jh. stammendes Kruzifix, das sich etwas abseits vom Dorfkern im Schatten einer mächtigen Winterlinde versteckt hat und mit einer ganz ungewöhnlichen Darstellung auf Besucher wartet.

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